Gedicht zum Thema: Besitz, Eigentum

Siehst ein Kindchen du im Stühlchen,
das zum Sitzen für es ist,
hat es hunderttausend Sachen,
teils zum Spielen, teils aus List.

Und die ganzen schönen Sachen
nimmt das Kind in seine Hand,
sieht sie an von allen Seiten,
schmeißt sie darauf an die Wand.

Und die hunderttausend Sachen
liegen auf der Erde nun,
doch was könnte man da machen,
würd' es doch nicht eher ruhn,
als sich ihrer zu entled'gen,
weil sie ihm einstmals zu nah;
denn von ferne sind sie ewig
schöner, als vorher es war.

Doch so geht's nicht nur den Kindern,
nein, so geht dir's ganz genau,
was du hast, ist nicht so wichtig,
drum es dir von fern beschau.

Wilhelm Weber-Brauns

(1883 - nach 1922), deutscher Zahntechniker und Schriftsteller

Quelle: Weber-Brauns, Satiren, Aphorismen und Nachdenkliches, 1919. Schön ist, was du hattest!