Gedicht zum Thema: Abschied, Wiedersehen

Reproduktion – oder das billige Plagiat

Sie reiten vorbei in dunkler Nacht,
ein mühselig' Tagwerk ist vollbracht.
Die Pferde greifen kräftig noch aus,
sie treiben weiter, es drängt sie nach Haus.

Der Nebel zieht auf und raubt die Sicht.
Der Weg verschwindet, sie sehen ihn nicht.
Von ferne locken Weib und Kind,
die neblige Nacht, sie macht sie blind.

"Geliebter, komm, mir ist so bang!"
Im Ohr ertönt Sirenengesang.
"Folge nur dem schnelleren Pfad,
mein Herz so große Sehnsucht hat."

Wie wird mir anders, hörst es auch du?
Die Stimme, sie raubt mir jegliche Ruh'.
Der kürzere Weg sei dieser hier,
komm, schwenke auch du und folge mir.

Nein, mein Freund, die Gefahr ist zu groß.
Bei Nacht im Nebel – und Blindheit bloß.
Laß' uns bleiben wo wir sind,
diesen Weg, wir kennen ihn blind.

Er führt uns sicherlich nach Haus,
zu Weib und Kind. Dort ruhen wir aus.
Die Stimme, mein Freund, mich nach links jetzt lenkt.
Ich kann nicht anders, die Sehnsucht mich drängt.

Oh, laß' es sein, du guter Kamerad,
du kennst ihn nicht, den unsich'ren Pfad.
Wer einst diesen Weg genommen,
sagt man, sei zu Hause niemals angekommen.

Verzeih', mein Freund, dann laß' uns hier trennen,
magst ewig du nach Hause rennen!
Spricht's aus und schwenkt ab, dieser Tor.
Hinter den Bäumen, da lauert das Moor!

© Sigrun Hopfensperger

(*1967), deutsche Aphoristikerin, Universalistin und Idealistin