Gedicht zum Thema: Menschlichkeit

Für dich

Deine tiefen Augen, Dein heitres Wesen nahmen mich gefangen.
Deine offne Art, Dein ehrliches Lachen, Deine Art alle Dinge liebend zu
behandeln
stahlen mein Herz.
Dein Lachen und Schweigen, Dein aufmerksamer Blick
sorgte dafür. Und ich möcht' schwören - ich hab's bis heute nicht
zurück.
und nun nach Tagen voller Freude, nach Tagen der Besinnlichkeit,
verspüre ich den Drang zu fragen:
Wie wäre das, wir allein, nur Wir zu zweit?

Selten schrieb ich mit so vollem Herz
nein ach! Welch Schmerz,
zu oft rührte ich des Stiftes Schaft
Ohne Liebe dem Selbstzwecke nur gedacht.
Doch fehlt Essenz dem sinnlos' Treiben
Und brachte mich dazu, dies hier zu schreiben.
Luftig' Wort weht von diesem Ort still doch ohne Ruh
zu deinem Ohr, zu Deinem Sinn,
zu Deinem träumend' Blick Dir zu.

Nur ein verfehlter Duft dabei
in diesem lauen Wörterwind,
bräche mich als Sturm entzwei
Heilte mich dann doch geschwind,
ein unerwartet kühler Morgen.

Blieb einzig eine neue Narbe
stummer Zeuge alter Sorgen
zierte meine hilflose Haut
und machte sie ein wenig rauer,
kleiner - mir nicht mehr vertraut.
Vielleicht für immer - bitt'rer Schauer.

© Jörg Winter

(*1983)