Gedicht zum Thema: Weihnachten

Weihnachtsstreß
 
Wenn im Herbst die Blätter fallen
und die grauen Nebel wallen
wenn man am Samstag in der Stadt
nur noch zu Fuß 'ne Chance hat
dann ist es wieder mal so weit
es naht die "goldene" Weihnachtszeit
 
Dem Lockruf der Konsumgiganten
verfallen Mütter, Väter, Tanten
und strömen, gleich dem Lemming - Heer
in Richtung City, mehr und mehr
 
"Jetzt Papa, fahr amol ums Eck
sonscht isch der Parkplatz au no weg"
"Ja sag amol, was tuat denn der?"
"Des gibt's doch net, der parkt ja quer!"
"Mit dem streit i mi doch net rum"
"Jetzt steig i aus und hau'n um"
 
Nach einer schnellen Wundversorgung
(es ging um Beulen erster Ordnung)
wird der Computermarkt gestürmt
dort sind die Schätze aufgetürmt
 
Doch leider hat man seine Not
denn bei dem Super-Sonderangebot
steht ein Karton nur, leicht beschädigt
die Sache wird dadurch erledigt
daß Papa einen Hechtsprung wagt
um dann die Schachtel unverzagt
mit beiden Armen zu umklammern
Man hört ihn nur ganz leise jammern
denn einer seiner Kontrahenten
trat voller Schwung in Papa's Lenden
 
"Mensch Papa, mach jetzt bloß net schlapp
a kloiner Schnaps bringt di auf Trab
in dia Wirtschaft, do hocksch nei
i komm am Rückweg dann vorbei
i muaß no schnell zum Juwelier
a halbe Stund, dann bin i hier"
 
 Doch auch beim Gold-Geschmeidekauf
nimmt´s Schicksal weiter seinen Lauf
Geblendet von des Schmuckes Pracht
gibt Frau Mama zu wenig acht
Der Herr, der so besonders lieb
entpuppte sich als Taschendieb
und eh sie sich noch recht versah
war'n Uhr und Bargeld nicht mehr da
 
Wie ist die Welt doch so gemein
jetzt hol ich Papa, dann geht's heim
Jedoch, was muß die Mutter seh'n
der Papa kann fast nicht mehr steh'n
 
Aus einem Schnäpschen wurden viele
der Papa glotzt, als ob er schiele
er grölt gar wüste Schänkenlieder
und läßt sich auf der Straße nieder
"Wo´s Auto steht, isch mir heit wurscht
weil i hab sowieso no Durscht"
 
Am nächsten Morgen um halb zehn
da kann man uns'ren Papa sehn
geläutert durch des Katers Schmerzen
nimmt er sich vor, mit ganzem Herzen
im nächsten Jahr, an diesen Tagen
dem Einkaufshorror zu entsagen
stattdessen mal an Freunde denken
vielleicht nur Kleinigkeiten schenken
um dann dadurch nach all den Jahren
den Sinn der Weihnacht zu erfahren

© Wolfgang Beirer