Gedicht zum Thema: Selbstbefriedigung

Seit Jahren schon belege ich ein Zimmer
in Rappelhubers Einfamilienhaus
und ruhe dort bei mildem Kerzenschimmer
mich vom wildbewegten Leben aus.

Herr Rappelhuber sieht mich quasi täglich,
grüßt aber nie; er übergeht mich stumm.
Mich läßt das kalt, denn ich bin sehr verträglich
und nehm´s Rappelhuber gar nicht krumm.

Frau Rappelhuber streichelt mich hingegen.
Sie liebt es auch, sobald ihr Mann verreist,
sich nackt im Eva-Look, zu mir zu legen,
was ihren Sinn für Sex-Appeal beweist.

Wir liegen dann wie frisch vermählt am Boden,
ich sperre Mund und Nase dabei auf,
und nehme die berauschenden Methoden
Frau Rappelhubers anstandslos in Kauf.

Im Anschluß an die himmlischen Minuten
erhebt Frau Rappelhuber sich dann schnell.
Und mir beginnt vor Gram das Herz zu bluten.
Warum, oh Gott, bin ich ein Eisbärfell?

© Claudio Michele Mancini

(*1945), italienischer Schriftsteller, Satiriker und Romanautor