Gedicht zum Thema: Schmuck

Die Perle

Ich ging spazieren am Meeresstrand
wo spielende Wellen versickern im Sand.

Kein Sturm, kein Brausen, nur stilles sich Regen,
bis in den Tiefen ein leises Bewegen.

Die Fluten klar, bis tief auf den Grund,
ich möchte mich beugen und kühlen den Mund.

Ich sah ein Gesicht, vertraut und fremd,
wer ist's, der des Meeres Spiegel kennt?

Eine Perle fand ich, von edler Gestalt,
nun ruht sie behütet in meiner Hand.

So hell und so klar und so wunderbar rein,
vom Lichte bestrahlt, ein köstlicher Schein.

Ich will sie behüten und schließe die Hand,
geh' nie mehr zurück zu Welle und Sand.

Ich möcht' sie umhegen im goldenen Schrein,
die strahlende Perle soll bleiben mein.

Doch ans Licht muß sie dringen, sie braucht diesen Glanz,
ich will sie bewahren, rein, edel und ganz.

Nie darf zerbrechen der edle Fund,
die Perle soll leuchten vom Meeresgrund.

© Otto Reinhards

(*1911), deutscher Dichter

Quelle: Reinhards, Lyrik am Meer. Gedichte, 1983