Gedicht zum Thema: Jugend

Jung sein

Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt,
sondern eine Geisteshaltung; sie ist Ausdruck des
Willens, der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit, Sieg
der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.

Man wird nicht alt, weil man eine gewisse Anzahl Jahre
gelebt hat: Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.
Die Jahre zeichnen zwar die Haut - Ideale aufgeben
aber zeichnet die Seele. Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde, die uns nach und
nach zur Erde niederdrücken und uns vor dem Tod zu
Staub werden lassen.

Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert und sich freut am Spiel
des Lebens.

Ihr seid so jung wie euer Glaube. So alt wie eure Zweifel.
So jung wie euer Selbstvertrauen. So jung wie eure
Hoffnung. So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben, solange ihr aufnahmebereit
Bleibt: Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große;
Empfänglich für die Botschaften der Natur, der Mitmen-
schen, des Unfaßlichen. Sollte eines Tages euer Herz
geätzt werden von Pessimismus, zernagt von Zynismus,
dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele – der
Seele eines Greises.

© Detlef Witthaupt