Gedicht zum Thema: Traum, Träumen

Erwachen

Ich lebte über den Wolken,
obwohl meine Flügel schon längst verkümmert waren.
Ich wußte, daß ich fallen würde,
doch besessen von falschen Träumen
war ich zu stolz
und zu faul,
um umzukehren.
Und so floh ich immer weiter nach oben
in verbotene Höhen.
Dabei hatte ich schon so lange
Die Kontrolle verloren.
Je höher man flieht,
desto tiefer wird man fallen.
Ich hatte von Anfang an gewußt,
daß es so kommen würde.
Ich war so dumm gewesen.
Die Realität holte mich ein,
stürzte mich von meinem Wolkenthron
auf den kalten Boden der Tatsachen.
Und ich war hilflos,
nicht fähig zu überleben,
denn ich hatte vergessen, wie man läuft.

Wenn man lang genug gewandert ist,
darf man seinem Element entfliehen
und die Flügel benutzen,
die einem gewachsen sind.
Doch man darf nur fliegen,
solange die eigenen Flügel noch die Kraft dazu haben.
Jeder darf über den Wolken schweben,
doch wer keine Flügel hat,
wird abstürzen.

© Tian Yris