Gedicht zum Thema: Hochzeit

Großmütterchens Kirchensegen

"Wie Hauch der Nacht verweht das Leben,
Und all sein Glück ist Spreu im Wind!"
So sprach des Pfarrers Mund soeben;
Nimm Dir's zu Herzen, Enkelkind!

Gar märchenhaft ermahnt mich heute
Entschwundner Tag Lust und Weh',
Da aus der Kirche beim Geläute
Mit dir, Du junges Blut, ich geh'!

Ein Sonntag war's, wie heut so labend,
– Schon sechzig Jahr' Die Zeit entweicht –
Da nach der Messe er am Abend
Mir hier den ersten Strauß gereicht.

Die Lampe glomm im Säulengange,
Von Reben schattend überdacht,
Da fühlt' im sel'gem Ueberschwange
Mein Herz von Liebe ich entfacht.

Die Lampe glomm, die Reben hingen
Im Säulengang noch manches Jahr,
Bis wir vereint zur Kirche gingen,
Ich mit dem Myrthenkranz im Haar.

Unbekannt

Originaltext