Gedicht zum Thema: Vergeben, Verzeihen

Wohin dein Weg?

Wohin dein Weg? … Ihr habt's mich einst gefragt.
Mein Stolz hat lächelnd Antwort euch gesagt:
Ich schau' im Geist der höchsten Berge Ziel,
Auf das der erste Gruß der Sonne fiel;
Bis dort hinauf will ich in Kampf und Wagen
Mit starker Faust mein wehend Banner tragen.

Wohin dein Weg? … Wie gütig warnt das Weib!
Du willst zu hoch noch immer, Liebster, bleib!
Und ich: So laß mich von bescheid'nen Höh'n
Auf das Gewimmel all der Toren seh'n.
Laß uns herabschau'n aus der Matten Grase,
Wie sich das müht und schleppt im Staub der Straße.

Wohin dein Weg? … Du fragst's zum letztenmal,
Verarmtes Herz. Nun wohl: Von Tal zu Tal.
Die Höhen sind so einsam und so kalt…
Tauch' ins Gewühl! Werd' mit den andern alt!
Verdien' dir durch Vergeben und Vergessen
Dein stilles Bett im Schatten der Zypressen!

Rudolf Presber

(1868 - 1935), deutscher Journalist, Dichter, Dramatiker, Romancier und Erzähler