Gedicht zum Thema: Trennung

Dem Liebsten in der Ferne

Nun bist du schon, (sind es erst zwanzig Tage?)
seit Ewigkeiten fort von mir.
Der Rosenstrauch am Bach ist längst verblüht.
Und mit gar bittersüsser Wehmut trage,
ich welke Blätter zum Kompost,
und lächle artig, wenn auch leicht bemüht.

Ich wollte dir, ich hab es wieder nicht geschafft,
die Tränen auf den Seiten doch ersparen,
drum sieh?s mir nach, wenn meine Briefe wellen.
Heut morgen habe ich mich sogar aufgerafft,
beim Bäcker deinen Lieblingskuchen,
den nussigen, für Sonntag zu bestellen.

Es geht hier alles den gewohnten Gang,
und wenn der Winter kommt,
dann heizt der alte Kessel wieder.
Ach, die paar Wochen sind doch gar nicht lang!
Und schau, ich hab das ganze Haus geputzt,
es glänzt und riecht nach weissem Flieder.

Doch manchmal, abends, wenn ich müde bin -
wovon, das weiss wohl nur der Himmel -
steh ich allein am kleinen Fenster
und fluche leise über Zweck und Sinn.
Von weit hört man Motorenlärm;
Nun schlafe sanft, mein ferner Liebster.

© Margot S. Baumann

(*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin