Gedicht zum Thema: Menschlichkeit

Ich träume davon

Ich träume davon,
dass einmal jeder Mensch
der sich nach Freiheit sehnt
„frei sein wird“ und sein Leben,
dass ihm anvertraut ist, leben kann.

Ich träume von einer Welt,
in der ein Mensch nicht mehr
als schwach gilt, der seine Gefühle
Ängste und Schmerzen offen zugibt.

Ich träume davon,
dass sich in unserer Gesellschaft
der Einzelne empfindsam und
voller Mitgefühl geben kann,
ohne dafür verachtet, verspottet
und ausgegrenzt zu werden.

Ich träume davon,
dass wir einmal dahin kommen,
dass wir die Sehnsucht des Anderen
„frei zu sein“, zu unserer eigenen
Sache machen und ihm helfen
Türen zu öffnen.

Ich träume davon,
dass uns die Probleme und Sorgen
unserer Mitmenschen
nicht mehr gleichgültig sind
und wir unserem Nächsten
mit Tat und Kraft zur Seite stehen.

Ich träume von einer Welt,
in der Kinder Frauen und Männer
keine Angst mehr vor Gewalt
Erniedrigung und Terror haben müssen.

Ich träume davon,
dass wir eines Tages den Mut haben,
uns so verletzlich und mitfühlend
zu geben, wie es nur Kinder
sein können.

Ich träume davon,
dass alle Kälte und Unmenschlichkeit
aus unserem Herzen verbannt wird
und wir endlich begreifen
was es heißt: Mensch zu sein.

© Gudrun Kropp

(*1955), Lyrikerin, Aphoristikerin, Kinder- und Sachbuchautorin

Quelle: Kropp, Der empfindsame Weihnachtsbaum: Ungewöhnliche Geschichten, Gedichte & Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit, Carmen-Verlag 2005