Gedicht zum Thema: Winter

Zum Jahreswechsel

In der Arbeit war wieder der Teufel los
und endlich komme ich nach Haus.
Ich will nur ein wenig Gemütlichkeit bloß,
doch wie sieht meine Wohnung nur aus!

Auf dem Tisch steht noch immer das Frühstücksgeschirr
von meinem lieben Gemahl.
Und das Zimmer der Kinder - ein Spielzeuggewirr
in der Wohnung ein Chaos total.

In den Augen stehen vor Wut mir die Tränen
auf die Kinder und meinen Mann
Ich muß mir eine Zigarette erst nehmen,
dann fang ich zu putzen an.

Da liegt noch ein Zettel auf dem Klavier,
ich sehe ganz kurz ihn nur an.
Die Handschrift erkenn ich, sie ist von mir,
Was stand denn da nur dran?

Es war vor nicht ganz einem Jahr
in der letzten Silvesternacht.
Ich nahm mir vor, das ist doch klar,
mein Leben wird anders gemacht.

Für die Familie werde ich immerzu
die Zeit nehmen, die wir brauchen.
Die Hektik tauschen mit etwas mehr Ruh‘
und – eventuell – nicht mehr rauchen.

Ich bringe Verständnis auf für die Schwächen
der anderen und der meinen,
werde statt mich zu ärgern viel lieber lächeln
und nur noch aus Freude weinen.

Doch leider habe ich heut keine Zeit,
um darüber nachzusinnen.
Der nächste Silvester steht ja schon bereit,
um wieder von vorn zu beginnen.

© Poldi Lembcke

(*1945)