Gedicht zum Thema: Verstand

Gefangen, Verfangen, Angeklagt

Groß und hager in der Erscheinung, von Poesie keine Spur.
Rückblickend, bewertend mit harten Worten.
Er zwingt mich zum zuhören, seine Stimme wird immer lauter und hallt.
Es fröstelt mich dabei, alles um mich wird düster.
Akten vor mir auf dem Tisch, voll von Worten ohne Taten.
Kann nicht antworten auf die Vorwürfe, meine Stimme versagt.
Alles grau in grau, keiner da der mir hilft.
Mein Ankläger ist mächtig, sein Name ist "Verstand".

Beim Blick aus dem Fenster scheint meine Rettung in Sicht.
Am Horizont weit entfernt ein Regenbogen.
Nehme die vorwurfsvolle Stimme kaum noch wahr.
Kann den Himmel sehen in seinem schönsten Blau.
Nur noch ein paar Schritte dann bin ich befreit,
den süßen Duft des Sommers schon in meiner Nase
schlepp ich mich zum Fenster alles scheint so nah.
Es ist das "Gefühl" was da draußen auf mich wartet.
Plötzlich wird mir ganz schwindelig meine Beine versagen,
alles um mich wird schwarz.
Werde wieder wach, in den Armen des Verstandes...

© Heike Czech

(*1969)