138 Aphorismen und 41 Gedichte des Autors Horst Reiner Menzel.

Chaosvermutung

Bevor man Unordnung vermutet,
sollte man prüfen, wie das Chaos organisiert ist.

© Horst Reiner Menzel (*1938), Aphoristiker

Quelle: Menzel, Gedichte und Aphorismen erzählen Geschichten. Nachdenkliches für Mußestunden, CreateSpace Independent Publishing Platform 2. Aufl. 2015 und Kindle edition

Die Trauerarbeit findet glücklichere Wege,
wenn sie den Tod als Teil des Lebens begreift.

© Horst Reiner Menzel (*1938), Aphoristiker

Quelle: Menzel, Gedichte und Aphorismen erzählen Geschichten. Nachdenkliches für Mußestunden, CreateSpace Independent Publishing Platform 2. Aufl. 2015 und Kindle edition

Leere Blätter

Aller Anfang ist schwer,
zunächst sind alle Buchseiten leer.
Ist dir dann doch was eingefallen,
behalt die Übersicht vor allem.
Gehe erst mit dem Text in die Welt,
wenn er dir selbst und anderen gefällt.

© Horst Reiner Menzel (*1938), Aphoristiker

Quelle: Menzel, Gedichte und Aphorismen erzählen Geschichten. Nachdenkliches für Mußestunden, CreateSpace Independent Publishing Platform 2. Aufl. 2015 und Kindle edition

Elegie

Die fahle Kälte zieht-
Durch mein Gemüt,
Könnt ich der Welt entflieh'n,
Hochhin durch die Lüfte zieh'n,
Im Geiste schreiten,
Durch endlose Weiten,
Wär nicht mehr gefangen,
In Hoffen und Bangen,
Auf die bessere Welt,
Von der man erzählt,
Sie sei im Werden,
Doch hier auf Erden?

Da sind noch die Zwänge,
Hoffnungs-trostlose Enge,
Die mich umgibt,
Niemand mich liebt,
Ach fänd‘ mich doch Eine,
Wär sie die Meine,
Nehm sie in Pflege,
Meine kranke Seele,
Könnt ich doch lieben,
Ein hochherzig' Weib,
Könnt ich umfassen,
Ihren schützenden Leib.

An ihren Busen sinken,
In ihrem Sein ertrinken,
Einmal ausgelassen,
Das Leben spüren,
Über die Maßen,
Geliebt werden fühlen,
Könnt ich's erfahren,
Im Herzen bewahren,
Ihr edles Bild,
Wie man sich fühlt,
Wenn es einen Menschen gibt,
Ein Wesen - mich selbstlos liebt.

Rei©Men

Springkraut

Leichtfüßig, farbtupfig kommst du daher,
Aus fernen Ländern übers das Meer,
Die betörenden hübschen Knospen,
Zerplatzen - Samen ins Wasser hopsen.

Überblüht ist dorniges Rankenmeer,
Umschmiegt alle Gräser und Farne,
Lässt keinen Platz für andere hier,
Eroberer - aus weiter Ferne.

Wenn du lässt die Blüten reifen,
Samen dein Terrain ausweiten,
Alles ist nun unter dir begraben,
Was hier wuchs seit tausend Jahren.

Springkraut, springe nicht zu hoch,
So springst du in den eigenen Tod,
Massenwachstum trägt in sich Schwäche,
Sodas der Widersinn sich räche.

Wie ähnlich du dem Menschenwerk,
Wächst weit über dich selbst hinaus,
Du dummer, lieber kleiner Zwerg,
Lass Luft zum Atmen - für andere auch.

© Horst Reiner Menzel (*1938), Aphoristiker

Quelle: Menzel, Gedichte und Aphorismen erzählen Geschichten. Nachdenkliches für Mußestunden, CreateSpace Independent Publishing Platform 2. Aufl. 2015 und Kindle edition