1 Gedicht von Cesare Sterbini.

Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen,
Kaum vernehmbar, in dem Entstehen,
Still und leise ist sein Wehen:
Horch, nun fängt es an zu säuseln –
Immer näher, immer näher kommt es her. –
Sachte, sachte! – Nah zur Erde!
Kriechend, schleichend! – Dumpfes Rauschen!
Wie sie horchen, wie sie horchen!
Wie sie lauschen, wie sie lauschen!
Und das zischelnde Geflüster,
Dehnt sich feindlich, dehnt sich feindlich aus und düster,
Und die Klugen und die Tröpfe
Und die tausend hohlen Köpfe
Macht sein Sausen voll und schwer! –
Und von Zungen geht's zu Zungen –
Das Gerede schwellt die Lungen –
Das Gemurmel wird Geheule –
Wälzt sich hin mit Hast und Eile;
Und der Lästerzungenspitzen
Zischen drein mit Feuerblitzen,
Und es schwärzt sich Nacht und Schrecken
Schaurig immer mehr und mehr.
Endlich bricht es los das Wetter,
Unter grässlichem Geschmetter!
Durch der Lüfte Regionen
Tobt's wie Brüllen der Kanonen,
Und der Erde Stoss und Zittern
Widerhallt in den Gewittern,
In der Blitze Höllenschlund! –
Und der Arme muss verzagen,
Den Verleumdung hat geschlagen. –
Schuldlos geht er dann, verachtet,
Als ein Ehrenmann zugrund.

Cesare Sterbini (1784 - 1831), italienischer Opernlibrettist

Quelle: Rossini/Sterbini, Der Barbier von Sevilla (Il barbiere di Siviglia; Originaltitel bei der Uraufführung: Almaviva o sia L’inutile precauzione – Almaviva oder Die nutzlose Vorsicht), uraufgeführt 1816; Opera buffa in zwei Akten von Gioachino Rossini, das Libretto stammt von Cesare Sterbini auf Grundlage des Schauspiels 'Le barbier de Séville' von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Don Basilio