24 Zitate und 29 Gedichte von Arno Holz.

Ein Blutsumpf seine ganze "Geschichte"! Der elendeste aller elenden Wichte! Tierischer noch, als das tierischste Tier! Bitte, "erlöse" uns von dir!

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Erst schielt dies christlich frömmelnde Geschmeiß nach vollen Brüstchen und nach drallen Wädchen und dann – schreibt's Andachtsbücher und Traktätchen!

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Ach sag ich, nützlicher als alle Bibeln
sind momentan uns unsre Volksschulfibeln!
Denn nur ein Narr beugt heut noch seinen Nacken
vor Göttern, die – aus Weizenmehl gebacken!

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Einem Kritiker

Das größte Maul und das kleinste Hirn,
wohnen meist unter derselben Stirn.

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Famos steht dir dein bunter Kittel,
Doch was beschmierst du ihn mit Dreck?
Die Religion ist nur ein Mittel
und du – erniedrigst sie zum Zweck!

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Dein Heil, versuch es anderwärts,
Wenn frömmelnd dich der Teufel laust
Mein Katechismus ist mein Herz,
Und meine Bibel ist der Faust!

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

Ein Abschied

Sein Freund, der Türmer, war noch wach,
Wie Silber gleißte das Rathausdach,
Und drüber stand der Mond.

Er wußte kaum, wie schwer er litt,
Doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt.
Und das Ränzel drückte ihn.

Die Gasse war so lang, so lang,
Und dazu noch die Stimme,
die über ihm sang:
Wanns Mailüfterl weht!

Jetzt bog sich ein Fliederstrauch
über den Zaun,
Und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,
Stand weiß vor dem Domportal.

Hier stand er eine Weile still
Und hörte, wie eine Dohle schrill
Hochoben ums Turmkreuz pfiff.

Dann löschte links in dem kleinen Haus
Der Löwenwirt seine Lichter aus,
Und die Domuhr schlug langsam zehn.

Die Brunnen rauschten wie im Traum,
Die Nachtigall schlug im Lindenbaum,
Und alles war wie sonst.

Da riß er die Rose sich aus dem Rock
Und stieß sie ins Pflaster mit seinem Stock,
Daß die Funken stoben, und ging.

Erst droben auf dem Heiligenstein
Fiel ihm noch einmal alles ein,
Als der Weg um die Buche bog.

Die Blätter rauschten und er stand und stand,
Und sah hinunter unverwandt,
Wo die Dächer funkelten.

Dort stand der Garten und dort das Haus,
und jetzt war das aus und jetzt war das aus,
Und - die Dächer funkelten!

Sein Herz schlug wild,
Sein Herz schlug nicht fromm:
Wann i komm, wann i komm,
wann i wiederkomm!
Doch er kam nie wieder.

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus