1 Zitat und 4 Gedichte von Franz Bonn.

Bist du entzweit, versöhne dich
Und laß verrinnen nicht die Frist.
Der Tag, der unbenützt entwich,
Wer weiß, ob's nicht dein letzter ist.

Franz Bonn (1830 - 1894), deutscher Textdichter

Quelle: Kral (Hg.), Christliches Zitatenlexikon, hg. von Josef Kral, 1950. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des IGW Verlags

Der brave Karo.

Die Mutter ging, das Kind schläft gut;
Es bleibt zurück in Karo's Hut.

Doch bald – wer hätte das gedacht! –
Das Kindlein in der Wieg' erwacht.

Schon schreit das kleine Ännchen laut,
Der Karo sehr bekümmert schaut.

Der kluge Hund ans Fenster springt:
"Kommt niemand, der mir Hilfe bringt?"

Umsonst, es kommt kein Mensch heran!
Laut fängt der Hund zu bellen an.

Das Kindlein immer lauter schreit,
Nun ist Bewegung an der Zeit.

Der Karo schaukelt hin und her,
Die Wiege schwingt sich immer mehr.

Erschrocken schaut jetzt Karo stumm;
Es scheint, als schlüg' die Wiege um.

Da richtig liegt die Kleine schon
Heraußen! Seht, das kommt davon!

Es setzt sich Ännchen auf und weint;
Die Tränen leckt ihm ab der Freund.

Und wie gerade steht das Kind,
Der Karo gleich sein Spiel beginnt.

Vom Fenster jetzt zu seinem Glück
Zieht Karo Ännchen rasch zurück.

Und weil’s darob verdrießlich ist,
Sorgt Karo, daß es dies vergißt.

Er bringt ihm, zu des Kind's Behagen,
Das kleine Püppchen und den Wagen.

Nun zieht – für einen Hund nicht dumm –
Er das Gespann im Kreis herum,

Bis Ännchen jetzt zu Boden fällt,
Was ihm die Freude sehr vergällt.

Aufs neu' das Weinen nun beginnt:
"Beruhige dich, du liebes Kind!"

Nun denken Kind und Karo bang:
"Wo bleibt die Mutter denn so lang?"

Als sie die Mutter endlich seh'n,
Da heißt es schnell zu Bette geh'n.

Die Mutter kommt – ihr Aug' und Ohr
Das findet alles wie zuvor.

Franz Bonn (1830 - 1894), deutscher Textdichter

Quelle: Bonn (Text), Meggendorfer (Bild), Die Gnomen und das Kartenhaus / Das lüsterne Wildschwein / Der brave Karo. Drei lustige Geschichten von Lothar Meggendorfer. Mit Versen von Franz Bonn, 1910

Die Gnomen und das Kartenhaus.

Zwei Gnomen namens Frosch und Frisch
Erblicken Karten auf dem Tisch.

Gar bald vergnügt die beiden sehen:
Die Blätter bleiben aufrecht stehen,

Wenn man sie so zusammenstellt,
Daß eins das andre stützt und hält.

Daß dies gelang, erfreut sie sehr,
Drum rasch zwei neue Karten her!

Die lehnen link und rechts sie bei,
Daß fester steh'n die ersten zwei.

Frisch ist zufrieden nicht damit,
Er will noch weiter einen Schritt.

Da warnt ihn Frosch: "Sei nicht so dumm,
Du wirfst damit die andern um!"

Doch sieh', es geht! Der Frisch ist froh,
Nun macht es Frosch gerade so.

Der Appetit kommt oft bei Tisch,
So geht’s den Gnomen Frosch und Frisch.

Ob des Gelingens froh und heiter
Bau'n beide an dem Häuslein weiter.

Sie lehnen, wie sie's erst getan,
Die beiden Seitenblätter an.

Und wiederholen so genau
Im zweiten Stock den untern Bau.

Weil nun der Arm so weit nicht reicht,
Steigt Frisch hinauf – so geht's vielleicht!

Es geht! Noch nicht der Arbeit satt,
Schleppt Frosch herbei ein neues Blatt.

Doch endlich geh'n die Blätter aus
Und fertig ist das Kartenhaus.

Voll Freude, weil das Werk geglückt,
Jetzt beide tanzen wie verrückt;

Doch eh' sie's denken, – eins – zwei – drei –
Da ist der ganze Spaß vorbei!

Franz Bonn (1830 - 1894), deutscher Textdichter

Quelle: Bonn (Text), Meggendorfer (Bild), Die Gnomen und das Kartenhaus / Das lüsterne Wildschwein / Der brave Karo. Drei lustige Geschichten von Lothar Meggendorfer. Mit Versen von Franz Bonn, 1910

Das lüsterne Wildschwein.

Zu seinem Sohn im Walde spricht
Der Holzknecht: "Hansel, fürcht' dich nicht!

Ich muß zur Arbeit, du bleibst hier,
Und siedest die Kartoffeln mir."

Der Hans läßt sich's nicht zweimal sagen,
Beginnet Holz herbeizutragen,

Und denkt: "Wie ich schon oft getan,
Ich schüre jetzt ein Feuer an!"

Doch plötzlich – horch nur! Was ist das?
Im nahen Busche raschelt was.

Ein Wildschwein ist’s, hier ist es schon –
Der Hansel lauft voll Schreck' davon.

Indessen Hans zum Vater lauft,
Das Wildschwein ganz behaglich sauft,

Bis es dem Ding kommt auf die Spur,
Daß es gemeines Wasser nur.

Und als der Hans gekommen kaum
Auf seinem Weg zum nächsten Baum,

Hat, was dem Wildschwein besser schmeckt,
Es die Kartoffeln schon entdeckt.

Wie nun der Hans verschwunden ist,
Das Wildschwein immer tiefer frißt

Sich in den hohen Topf hinein,
Gefräßig ist ja jedes Schwein.

Doch allzulüstern tut nicht gut!
Das Wildschwein hat bald einen Hut,

Denn fest steckt im Kartoffeltopf
Auf einmal jetzt sein dicker Kopf.

Und wie der Holzknecht mit Geschrei
Vom Hans geholt nun kommt herbei,

Enteilt das Wildschwein mit Gebrumm,
Und wirft dabei den Kessel um.

Heim trägt der Holzknecht froh das Schwein,
Der Hans den Kessel hinterdrein.

Und von dem Ganzen die Moral:
"Zu lüstern schadet jedesmal!"

Franz Bonn (1830 - 1894), deutscher Textdichter

Quelle: Bonn (Text), Meggendorfer (Bild), Die Gnomen und das Kartenhaus / Das lüsterne Wildschwein / Der brave Karo. Drei lustige Geschichten von Lothar Meggendorfer. Mit Versen von Franz Bonn, 1910