65 Gedichte von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

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Papa's Geburtstag


1.

Wie schön, daß in des Herbstes Tagen
Noch Blumen blüh'n in Pracht und Glanz,
Als wollten sie uns Kindern sagen:
»Wir blühen nur für euch zum Kranz.

Ihr sollt zum Kranz uns heute reihen,
So schön, wie sich es machen läßt,
Und dem Papa als Glückwunsch weihen,
Denn heut ist sein Geburtstagsfest.«

Es ist erfüllt der Blumen Bitte,
Nimm unsern Glückwunsch freundlich an:
O bleib' bei uns in unsrer Mitte
Und freue dich mit uns fortan!

Wir wollen dir auf allen Wegen
Auch liebe gute Kinder sein;
Wir flehen Gott um Seinen Segen,
Und was wir fleh'n, wird Er verleih'n.


2.

Ist kein schönerer Tag doch
In der Welt so wie heut!
Und es hat unser Herze
Sich noch nie so gefreut.

Ja, wir freuen uns Alle
Heissa heissassa sa!
Denn es ist dein Geburtstag,
Lieber, guter Papa!

Und wir wanden dir Kränze,
Und wir flochten hinein
Unsre innigsten Wünsche
Für dein Wohl und Gedeih'n.

Sei so froh wie die Blumen,
Wie die Blätter so grün!
Mag für uns, deine Lieben,
Stets dein Leben so blüh'n!


3.

Heute will ich fröhlich sein,
Heute guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Ist der heil'ge Christ ins Haus
Heut schon eingekehret?
Hat der heil'ge Nikolaus
Uns was einbescheeret?

Nein, so hört es denn von mir,
Hört es, lieben Leute!
Den Geburtstag feiern wir
Unsers Papa's heute.

Darum will ich fröhlich sein,
Heißa! guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller, dichtete 1841 auf Helgoland »Das Lied der Deutschen«, dessen 3. Strophe die heutige Deutsche Nationalhymne ist.

Quelle: Fallersleben, H., Gedichte. Kinderlieder, Erstdruck 1827

Hunde und Katzen

Die Hund' und die Katzen die stritten sich
Und zankten sich um die Wette,
Wer unter ihnen urkundlich
Den ältesten Adel hätte.

"Wir haben ein ururaltes Diplom
Lang her von undenklichen Tagen,
Was Remus mit Romulus einst zu Rom
Gab allen Isegrims-Magen."

"Zeigt uns, erwiedern die Katzen, wohlan!
Zeigt her die alten Briefe!
Was steht denn drin, was hangt denn dran?
Wo sind sie, in welchem Archive?"

Man schickte den Pudel eilig nach Rom
Zum Aerger der Katzen und Kater,
Der sollte holen das alte Diplom
Herbei vom heiligen Vater.

Der Pudel kommt ganz ungeniert
Zum Papst hereingetreten;
Er hat den Pantoffel ihm apportiert
Und dann ihn höflich gebeten.

Der Pudel empfing aus des Papstes Hand
Was das Hundevolk begehrte;
Dann zog er wiederum in sein Land
Auf seiner alten Fährte.

Und als er kam an den Po bei Rom,
Da schwamm vor ihm ein Braten,
Er schnappte danach, und verlor sein Diplom,
Und musst' es auf ewig entrathen.

So stand die Sache nun wie zuletzt,
Der Streit blieb unentschieden,
Und Hund' und Katzen halten bis jetzt
Noch immer keinen Frieden.

Die Hunde die denken noch immer so:
Wir werden sie schon überwinden!
Sie suchen und forschen noch immer am Po –
Und können den Adel nicht finden.

Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller, dichtete 1841 auf Helgoland »Das Lied der Deutschen«, dessen 3. Strophe die heutige Deutsche Nationalhymne ist.

Quelle: Fallersleben, H., Gedichte. Aus: Unpolitische Lieder, 1840/41

Vier Elemente

Wollt ihr uns repräsentieren,
Haltet fest an diesen vieren:
Geist und Arbeit, Gut und Geld
Sind die Stände dieser Welt.

Gönnet jedem auszusprechen
Seine Leiden und Gebrechen!
Lernt, daß zu vertreten ist
Mehr als Adel nur und Mist.

Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller, dichtete 1841 auf Helgoland »Das Lied der Deutschen«, dessen 3. Strophe die heutige Deutsche Nationalhymne ist.

Quelle: Fallersleben, H., Gedichte. Aus: Unpolitische Lieder, 1840/41