135 Zitate und 153 Gedichte über Abschied, Wiedersehen.

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Ein Abschied

Sein Freund, der Türmer, war noch wach,
Wie Silber gleißte das Rathausdach,
Und drüber stand der Mond.

Er wußte kaum, wie schwer er litt,
Doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt.
Und das Ränzel drückte ihn.

Die Gasse war so lang, so lang,
Und dazu noch die Stimme,
die über ihm sang:
Wanns Mailüfterl weht!

Jetzt bog sich ein Fliederstrauch
über den Zaun,
Und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,
Stand weiß vor dem Domportal.

Hier stand er eine Weile still
Und hörte, wie eine Dohle schrill
Hochoben ums Turmkreuz pfiff.

Dann löschte links in dem kleinen Haus
Der Löwenwirt seine Lichter aus,
Und die Domuhr schlug langsam zehn.

Die Brunnen rauschten wie im Traum,
Die Nachtigall schlug im Lindenbaum,
Und alles war wie sonst.

Da riß er die Rose sich aus dem Rock
Und stieß sie ins Pflaster mit seinem Stock,
Daß die Funken stoben, und ging.

Erst droben auf dem Heiligenstein
Fiel ihm noch einmal alles ein,
Als der Weg um die Buche bog.

Die Blätter rauschten und er stand und stand,
Und sah hinunter unverwandt,
Wo die Dächer funkelten.

Dort stand der Garten und dort das Haus,
und jetzt war das aus und jetzt war das aus,
Und - die Dächer funkelten!

Sein Herz schlug wild,
Sein Herz schlug nicht fromm:
Wann i komm, wann i komm,
wann i wiederkomm!
Doch er kam nie wieder.

Arno Holz (1863 - 1929), Arno Hermann Oscar Alfred Holz, Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen und Hans Volkmar, deutscher Dichter und Dramatiker, Pionier des deutschen Naturalismus

An den Rhein, an den Rhein,
Geh' nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rathe dir gut;
Da geht dir das Leben zu freudig ein,
Da wächst dir zu wonnig der Muth.

Ferdinande von Brackel (1835 - 1905), Ferdinande Maria Theresia Freiin von Brackel, veröffentlichte auch unter dem Pseudonym E. Rudorf, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Brackel, Die Tochter des Kunstreiters, 1875

Mit einem heitern, einem nassen Aug'.

William Shakespeare (1564 - 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Quelle: Shakespeare, Hamlet, 1601-1602, Erstdruck (evtl. Raubdruck) 1603