3 Gedichte über Geburtstag von Johann Christoph Friedrich von Schiller.

Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch' und Keller voll,
nichts fehlt in deinen Schränken.

Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker

Quelle: Schiller, Gedichte. Aus: Zum Geburtstage der Frau Griesbach, 1797

Zum Geburtstage der Frau Griesbach

Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
Und klopf' an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Daß ich dir gratuliere.

Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier,
Denn alles, wie die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.

Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch' und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.

Es wachsen dir fast auf den Tisch
Die Spargeln und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch
Und so die Reineclauden.

Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße,
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, daß ich's wisse.

Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter.
Die Kuh im Stalle ruft muh, muh!
Und gibt dir Milch und Butter.

Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohl gelungen.

Du bist wohlauf, Gott Lob und Dank!
Mußt's auch fein immer bleiben;
Du, höre, werde ja nicht krank,
Daß sie dir nichts verschreiben.

Nun lebe wohl! ich sag Ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh
'ne Butterbemme schneiden.

Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker

Quelle: Schiller, Gedichte. 1797 von Schiller der Frau Kirchenrätin Griesbach vorgetragen im Namen seines kleinen Sohnes Karl

Zur Geburtstagsfeier

Feierlich empfangen wir die Sonne,
Mit der Freude herzlichem Gesang,
Wo des jungen Lebens Frühlingswonne
Einst auf deine Wiege niedersank:

Sieh! wir bringen mit gerührtem Herzen
Dir, o Vater! diese Blumen dar.
Winde, Vater! unter frohen Scherzen
Sie dir lächelnd in das Silberhaar!

Denn der Gute, der des Schönen Pflanze
Früh schon in dem reinen Busen nährt,
Welcher nach der Tugend heil’gem Kranze
Ringt – er ist der Freudenthräne werth. –

Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker

Quelle: Schiller, Gedichte. In: Ernst Ortlepp: Supplement zu Schillers Werken. Stuttgart, L. F. Rieger & Comp., 1839. Das Gedicht erschien im literarischen Conversations-Blatte, Jahrgang 1823, Juli, Nro. 151, als eines der ›Vier noch nicht gedruckte(n) Gedichte von Schiller, welche Schiller während seines Aufenthalts in Dresden gechrieben hat‹