85 Zitate und 56 Gedichte über Geburtstag.

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Auf den 80sten Geburtstag des Herrn Altbürgermeisters Martin

Schlagt den Zapfen aus dem Fasse,
Das der Vierunddreiß'ger füllt
Mit dem Nasse zu dem Spasse,
Welcher unserm Martin gilt!
Achtzig Jahr ist doch ein Alter,
Und ich glaub' er tanzt noch gar,
Wie der Herr Renteiverwalter,
Der hoch in den Siebzig war!

Lustig Freunde und Bekannte,
Lustig liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Leider, daß beim heut'gen Feste
Seine Kinder sind zerstreut,
Und sich in der Zahl der Gäste
Nur ein Einzig's mit uns freut.
Ach! die vielen Andern wohnen,
In Paris, in Buffalo,
Stuttgart, Sasbach – solchen Zonen,
Die wo ganz wo-anderswo!

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Ei, die Frau Altbürgermeistrin
Schenkt uns Einen, welcher packt,
Da ist Feuer, da ist Geist d'rin –
Und was sie für Kuchen backt!
Könnt sie doch den Kindern schicken
Von der Bretzel auch ein Stück
Hinter Vater Martins Rücken
Wär' es nöthig nicht, zum Glück!

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Alle sind sie gut gerathen,
Wie's von selber sich versteht,
Wo mit lobenswerthen Thaten
Stets voran der Vater geht,
Dem die Mutter geht zur Seite,
Dem die Freunde geh'n zur Hand,
Der mit sich zu Rath geht heute,
Und der morgen Rathsvorstand.

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Aller Waisenkinder Vater,
Und den Wittwen zugethan,
Nahm er sich sogar noch spater
Des entlass'nen Sträflings an.
Philipp, der sein Knecht geworden,
Ist der brävste Mensch nun fast,
Welcher sonst in Süd und Norden
Der Gemeinde fiel zur Last.

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Staunen muß es nur erregen,
Wenn der Sinn das Alles mißt,
Was nur Alles uns'retwegen
Schon durch ihn geschehen ist.
O, wie viele Amtsberichte,
O, wie viel hat er gemacht,
Sitzend bei dem theuren Lichte
Oft noch bis nach Mitternacht!

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, lustig, Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

D'rum soll Vater Martin leben,
Der noch immer thätig ist,
Dem der Himmel Viel gegeben,
Und der Weniges vergißt.
Trinket, esset, tanzt und singet,
Heute ist ein schönes Fest,
Sammlet dann, was ihr nicht zwinget
Und den Armen gebt den Rest!

Lustig, Freunde und Bekannte,
Lustig, liebe Schwägerin,
Lustig, alle Anverwandte,
Lustig ist nach meinem Sinn!

Ludwig Eichrodt (1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller, seinen »Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz« verdankt der Zeitstil seinen Namen ›Biedermeier‹

Quelle: Eichrodt, L., Gedichte. Lyrische Karrikaturen, 1869

Von sechs Schwestern auf deroselben Vettern Geburtstag

So bald der vierte Tag des Wintermonats kommen,
so hat man in der Welt auch andre Zeit vernommen.
Der Sonnen güldnes Liecht, das nunmehr ganz und gar
in so viel Wochen nicht gesehen worden war,
goß seine Strahlen aus. Die trüben Wolken liefen,
und ließen eilends nach mit Regen so zu triefen.
Die Lüfte wurden klar. Anstatt daß Sturm und Wind
zu Land und See erschreckt' so manches Mutterkind,
da trat der Westwind ein mit seinem sanften Sausen.
Die Flut der grünen See ließ nach sich so zu krausen.
Es fiel ein sanfter Schnee, und ein gesunder Frost
macht' aus die weiche Zeit, uns eine frische Lust.
Herr Vetter, diese Zier ist euch zur Zier geschehen,
mit der ihr euren Tag gekrönet könnet sehen,
den wir mit euch begehn aus herzlicher Begier.
Sonst ist hier Traurigs nichts, als daß ihr nicht seid hier.
Der allerhöchste Gott, der woll' euch langes Leben
in Glück und Unglück Heil und alle Wolfahrt geben!
Und daß man rühmen mag, wie wol er euch getan,
so bring' er euch allhier bald frisch und glücklich an!
Und daß ihr gleichwol auch in Absein seid gebunden,
so sei euch dieses Band zu Ehren aufgewunden,
das keiner zwar von uns euch itzt anlegen kan;
doch binden wir euch mehr mit unsern Herzen an.
Soll diß dem Höchsten wol nicht gehn zu Herzen-Grunde?
Sechs Schwestern sprechen es zugleich aus einem Munde.

Paul Fleming (1609 - 1640), deutscher geistlicher Dichter und Lyriker des Frühbarock

Quelle: Fleming, Teütsche Poemata, 1642 (posthum). 4. November 1635. Originaltext