85 Zitate und 56 Gedichte über Geburtstag.

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Morgen gehn wir an die Reise,
gestern war kein Sonnenschein.
Heute laßt uns unser sein,
edler Mansloh, dir zu Preise,
dir zu Preise, weil dein Licht
dir und uns viel Lust verspricht!

Schau, wir kommen ungeladen!
Lasse keinen Mangel sein!
Gieb uns Wein und Zucker drein,
aber tu dir keinen Schaden!
Es ist nicht so arg gemeint,
als es anfangs mit uns scheint.

Bringt ein Freund ein freundlichs Herze,
o so nimt er wol vor gut,
sättigt Magen und den Mut
mit der Kost, doch mehr mit Scherze.
Sein Vergnügen ist allein
können recht vergnüget sein.

Kanstu uns hier nicht ergetzen
mit des Frauenzimmers Gunst
oder Trachten nach der Kunst
auf die Tafel lassen setzen,
nichts versehn! Es ist genung,
schaff' uns einen guten Trunk!

Willst du uns denn mehr bewirten,
die Musik ist unverwehrt.
Die ists, die den Himmel mehrt.
Sie macht Götter auch aus Hirten.
Kein Gelag kan treflich sein,
wo nicht Saiten sind und Wein.

Denn so lachet sichs von Herzen,
wenn der hellen Trompten Klang,
scharfe Saiten und Gesang
ernstlich durch einander scherzen,
und inzwischen, weils so geht,
keine Schale müßig steht.

Zweie sind es, so auf Erden
schon dem Himmel ähnlich sein:
die Musik und edler Wein.
Durch sie kan man himmlisch werden.
Und so lebt der Götter Schaar
durch das liebe lange Jahr.

Sie, sie sinds, des Alters Meister,
Tod der Angst, der Sorgen Haß.
Edle Saiten, edles Glas,
ihr erquicket unsre Geister!
Nimmermehr kan elend sein,
wer frisch singt und frisch schenkt ein.

Aber mich beginnt zu dürsten.
Junger, schenke Span'schen ein!
Edler, das soll deine sein!
Auf Gesundheit unsres Fürsten!
Diß soll heute fort so gehn,
bis wir mehr nicht können stehn.

Paul Fleming (1609 - 1640), deutscher geistlicher Dichter und Lyriker des Frühbarock

Quelle: Fleming, Teütsche Poemata, 1642 (posthum). Auf M. Johan Albrecht von Mandelsloh, Fürstl. Holstein. Gesandten Stallmeistern, seinen Geburtstag, in der Moskaw 1636. Originaltext

Zum Geburtstag

Wenn Kranz auf Kranz den Tag umwindet,
Sei dieser auch ihr zugewandt,
Und wenn sie hier Bekannte findet,
So hat sie sich vielleicht erkannt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung

Quelle: Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Inschriften, Denk- und Sendeblätter

Ein Geburtstag ist ein Einkleidungstag!

Karl Gutzkow (1811 - 1878), Karl Ferdinand Gutzkow, deutscher Schriftsteller und Journalist, Pseudonym: El Bulwer

Quelle: Gutzkow, Der Zauberer von Rom, 9 Bde., 1858-1861. Band 3. Eine Nonne

Papa's Geburtstag


1.

Wie schön, daß in des Herbstes Tagen
Noch Blumen blüh'n in Pracht und Glanz,
Als wollten sie uns Kindern sagen:
»Wir blühen nur für euch zum Kranz.

Ihr sollt zum Kranz uns heute reihen,
So schön, wie sich es machen läßt,
Und dem Papa als Glückwunsch weihen,
Denn heut ist sein Geburtstagsfest.«

Es ist erfüllt der Blumen Bitte,
Nimm unsern Glückwunsch freundlich an:
O bleib' bei uns in unsrer Mitte
Und freue dich mit uns fortan!

Wir wollen dir auf allen Wegen
Auch liebe gute Kinder sein;
Wir flehen Gott um Seinen Segen,
Und was wir fleh'n, wird Er verleih'n.


2.

Ist kein schönerer Tag doch
In der Welt so wie heut!
Und es hat unser Herze
Sich noch nie so gefreut.

Ja, wir freuen uns Alle
Heissa heissassa sa!
Denn es ist dein Geburtstag,
Lieber, guter Papa!

Und wir wanden dir Kränze,
Und wir flochten hinein
Unsre innigsten Wünsche
Für dein Wohl und Gedeih'n.

Sei so froh wie die Blumen,
Wie die Blätter so grün!
Mag für uns, deine Lieben,
Stets dein Leben so blüh'n!


3.

Heute will ich fröhlich sein,
Heute guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Ist der heil'ge Christ ins Haus
Heut schon eingekehret?
Hat der heil'ge Nikolaus
Uns was einbescheeret?

Nein, so hört es denn von mir,
Hört es, lieben Leute!
Den Geburtstag feiern wir
Unsers Papa's heute.

Darum will ich fröhlich sein,
Heißa! guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!

Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874), eigentlich August Heinrich Hoffmann, deutscher Schriftsteller, dichtete 1841 auf Helgoland »Das Lied der Deutschen«, dessen 3. Strophe die heutige Deutsche Nationalhymne ist.

Quelle: Fallersleben, H., Gedichte. Kinderlieder, Erstdruck 1827