20 Zitate und 3 Gedichte über Hoffnungslosigkeit.

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In der Tretmühle

Verlorene Tage! Glied an Glied
Reiht sich zu einer öden Kette,
So trostlos leer, so traurig schwer –
Ein niedrig Daseins-Hingefrette.

So traurig schleicht der graue Fluß
So träg, so schmutzig, so finster:
Trägt schwere Lasten und reibt sich vorbei
An Kieselerde und Ginster.

Ich sehe nicht mehr zurück mit Weh
Zu Tagen voll Schaffensfreude,
Ich hoffe nicht mehr stolz: Dereinst! –
Ich hab nur ein ewiges Heute.

Ludwig Scharf (1864 - 1938), deutscher Lyriker, sein Gedichtband »Lieder eines Menschen« gilt als eines der wichtigsten lyrischen Werke des Naturalismus

Quelle: Scharf, Gesammelte Lyrik und Prosa. Mit einer Auswahl aus dem Briefwechsel. Herausgegeben von Walter Hettche, Aisthesis Archiv 16, Aisthesis Verlag, Bielefeld 2011. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Aisthesis Verlags. Verstreut veröffentlichte und handschriftlich überlieferte Gedichte (1883-1926)

Kannst du die Kette deiner Lage
Zerbrechen, ohne daß – o frage
Dich wohl! – das Herz auch Andern bricht?

Victor Hugo (1802 - 1885), Victor-Marie Hugo, franz. Schriftsteller, politisch engagiert, Mitglied der Académie Française

Quelle: Hugo, Oden und Balladen (Odes et ballades), 1818-1822, übersetzt von Ludwig Seeger 1860. Der Dichter in Zeiten der Revolution. Erste Ode, 1821. Originaltext der Übersetzung