55 Zitate und 15 Gedichte über Jahr.

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Kalenderblicke

Zwölf Monde füllen den Kalender.
Vom Jänner her, hin zum Dezember,
trägt die Natur manch schrilles Kleid.
Der Anblick stets aufs Neu‘ erfreut.

Bei grimmig‘ Frost schläft die Natur,
Neuschnee bedeckt dicht Wald und Flur.
Im Eiskristall bricht Licht sich gar,
welch Winterwunder. Januar!

Noch hat die Sonne wenig Kraft,
doch eines hat sie schon vollbracht:
Mit Zauberstrahl, wie jedes Jahr,
Schneeglöckchenpracht im Februar.

Narzissenblüten recken sich,
in Gelb, in Weiß, schon österlich.
Der März weckt auf die Lebensgeister,
ist wahrer Held, mein Frühlingsmeister.

In allen Knospen ist nun Leben,
deutlich zu sehen, reges Streben,
weil jeder Trieb nur eines will:
Zur Sonne hin. Es ist April.

Hellgrün sprießt zart die Buchenhecke,
gemächlich kriecht vorbei die Schnecke.
Auf Feld und Wies weicht ‘s Einerlei.
Voll Wonne herrscht der lieblich Mai.

Tagtäglich wächst der Sonne Lauf,
mein Herz pocht sehnsüchtig hinauf,
bis uns die Himmelsscheibe lacht,
im Juni zur Mittsommernacht.

Das Korn schon hoch im Felde steht,
ein Wind seicht durch die Ähren weht.
Wohltuend seinen Hauch ich fühle,
erregend frisch zur Julischwüle.

Die Schmetterlinge im August,
dreh‘n lautlos Kurven, pure Lust.
Die Flügel sanft die Luft zerteilen,
Spätsommerfreuden zum Verweilen.

Kahl abgeerntet sind die Felder,
süß-modrig Duft zieht durch die Wälder.
Längst sind die Nächte nicht mehr lau.
Feucht glänzt September-Morgentau.

Am Rebstock prall die Trauben hängen.
Und zu vertrauten Herbstwaldklängen,
schau ich des Laubes Farbenpracht.
Mir güldener Oktober lacht.

Schön‘ Farbrausch der vergangenen Tage,
bist still gewichen, ach wie schade.
Hast Platz gemacht lautlos und edel.
Besinnlich wallt Novembernebel.

Das Baumgeäst ragt nackt und stolz,
aus Blattteppich und Unterholz.
Frostkälte deckt den Boden zu.
Dezember bringt nun Winterruh.

© Klaus-Gunther Häuseler (*1950), dt. Buchautor, Verfasser von Kurzgeschichten und Gedichten

Quelle: Häuseler, Positivsaldo, Verlag epubli GmbH, Berlin