257 Zitate und 3 Gedichte über Lehrer.

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Mit Liebe Lehrer !
(Meinem Freund Paul Maede auf Uhlenkrug)

Mit ganzer Lust und Liebe Lehrer:
Mich dünkt, daß herrlicher und hehrer
nichts anderes auf Erden sei!
Doch muß er ungehemmt und frei,
muß schaffen, wie der Künstler schafft:
Aus Herzensgrund und Gotteskraft,
daß zwischen ihm und seinen Kindern
nicht andrer Ansicht und Verstand
gleich jeden Weg ihm darf verhindern -
viel Pfade gibts im Kinderland!
Und der am eh'sten führt zum Ziel,
der froh beschritten wird im Spiel!

"Was - Spiel?" hör' ich aus manchem Munde,
ja, Spiel! Zum Spiel werd' jede Stunde,
zum Kunstwerk, das sich selber baut,
wenn er vom Lehrerherzen taut
der Freude goldner Frühlingsregen!
Dann singts von Seligkeit und Segen
dir aus den Kindern hell zurück!
Du kannst, betäubt von solchem Glück,
erst deine Wirkung gar nicht fassen!
"Gewirkt" auch freilich hast du nicht!
Hast nur in deinem eignen Licht
die Seelen fröhlich wachsen lassen!

Und das ist mehr: ist Schöpferleben,
geheimnisvollstes Kräfteweben,
ist Kunst - und Kunst läßt sich nicht machen!
Die kommt aus Leuchten und aus Lachen,
aus Quellenfülle, Innendrang -
und niemals aus Methodenzwang! ...

Drum heilig, heilig, heilig bleib'
dir deiner Kinder Seel' und Leib!
Das Höchste ist dir anvertraut!
Aus jedem Kinderauge schaut
entgegen dir - vergiß es nicht! -
dein selbstgesprochenes Gericht!

Was aber widerlich und fremd
dein reines Wollen stört und hemmt,
zerschmilz mit deiner Liebe Feuer!
Statt zu ermatten: immer neuer
entflamme dich an deiner Pflicht;
denn du dienst Gott! Du lebst dem Licht!

Karl Engelhard (1879 - 1914), Lehrer und hessische Dichterpersönlichkeit

Einen schlechten Lehrer imitieren oder vergessen seine Schüler, einen guten Lehrer übertreffen sie.

© Andreas Rahmatian (*1967), österreichisch-schottischer Aphoristiker, studierte Rechtswissenschaften, Musikwissenschaft und Geschichte in Wien, bevor er 1997 nach London und 2002 nach Stirling, Schottland, ging, wo er jetzt lebt und arbeitet

Man muss darauf sehen, ob diese Leute [Wissenschaftler] die Tugend lehren oder nicht. Lehren sie dieselbe nicht, so verhelfen sie uns auch nicht dazu. Lehren sie dieselbe, so sind sie Philosophen.

Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.), genannt Seneca der Jüngere; römischer Philosoph, Stoiker, Schriftsteller, Naturforscher und Politiker; Selbsttötung auf Geheiß seines ehem. Schülers Nero (Römischer Kaiser von 54 - 68)

Quelle: Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 88. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924)

Nicht um alles in der Welt möchte ich akademischer Lehrer sein. Das Beste von dem, was man weiß, darf man doch nicht sagen, und das Beste von dem, was man sagt, wird nicht verstanden.

Ludwig Börne (1786 - 1837), Carl Ludwig Börne, deutscher Journalist, eigentlich Juda Löb Baruch, Literatur- und Theaterkritiker

Quelle: Börne, Gesammelte Schriften. Neue vollständige Ausgabe, Hamburg und Frankfurt a. M. 1862. Aphorismen und Miszellen