60 Zitate und 5 Gedichte über Naivität.

Die guten Mädchen haben die Ausdrücke Himmel auf der Welt, Seligkeit, womit manche Dichter die glücklichste Liebe belegten, als ewige unwandelbare Wahrheit angesehen, und mädchenmäßige Jünglinge haben es ihnen nachgeglaubt, da es doch nur weichliches Geschwätz junger Schwärmer ist, die weder wußten, was Himmel, noch was Welt war.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

Quelle: Lichtenberg/Kries (Hg.), Georg Christoph Lichtenberg's vermischte Schriften, nach dessen Tode gesammelt und hg. von Ludwig Christian Lichtenberg und Friedrich Kries, 9 Bde., 1800-1806 (neue Ausgabe in 5 Bänden 1817). Über die Macht der Liebe, 1777

Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindruck des Augenblickes ab, daß einer, der sie täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen läßt.

Niccoló Machiavelli (1469 - 1527), italienischer Staatsmann und Schriftsteller

Quelle: Machiavelli, Der Fürst (Il Principe), verfasst 1513; päpstliche Druckgenehmigung 1532 (posthum)

Für das Herz ist es gut, naiv zu sein, für den Verstand nicht.

Anatole France (1844 - 1924), eigentlich François Anatole Thibault, französischer Erzähler, Lyriker, Kritiker und Historiker, Nobelpreisträger für Literatur 1921

Wie närrisch gar, zu sagen, daß man, um sich von der Pest zu befreien, die Beule konfiszieren soll.

Karl Kraus (1874 - 1936), österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker und Dramatiker

Quelle: Kraus, In dieser großen Zeit? Aufsätze 1914-1925. In dieser großen Zeit

Naivität über ein gewisses Alter hinaus
ist gleichbedeutend mit Koketterie.

Arthur Stahl (1830 - 1876), Pseudonym für Valeska Bolgiani, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Stahl, Ein Prinz von Gottes Gnaden, 1863