1060 Zitate und 197 Gedichte über Natur.

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An eine Rose

Ewig trägt im Mutterschoße,
Süße Königin der Flur!
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;
Röschen! unser Schmuck veraltet,
Stürm entblättern dich und mich,
Doch der ewge Keim entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich.

Friedrich Hölderlin (1770 - 1843), Johann Christian Friedrich Hölderlin, deutscher evangelischer Theologe, Dramatiker und Lyriker (begann ab 1841 seine Gedichte mit ›Scardanelli‹ zu unterzeichnen)

Quelle: Hölderlin, F., Gedichte

Waldfrieden

Mich lockt der Wald mit grünen Zweigen
aus dumpfer Stadt und trüber Luft;
es lockt mit seiner Sänger Reigen,
mit seinem feierlichen Schweigen
und seiner Blüten mildem Duft.
Es wölbt sich stolz der Buchen Krone,
und über Kiesel rollt der Bach;
die Drossel pfeift auf grünem Throne,
es spielt der Wind mit Orgeltone
im dichtverschlungenen Blätterdach.
Und welch ein Reichtum in den Weisen,
die in dem kühlen Waldeszelt
bald in Akkorden, milden, leisen,
und bald in vollern mächtig preisen
die reiche, wunderbare Welt!
Am fernen Abhang stehn die Föhren,
dort ruht der Hirsch im kühlen Tann;
sie stimmen auch in vollen Chören,
um nicht die Harmonie zu stören,
ein feierliches Loblied an.
Es fliegt ein Falke durchs Gehege
mit lautem und mit heiserm Schrei;
den starken Fittich schlägt er träge,
hoch über ihm zieht seiner Wege
ein stolzer königlicher Weih.
Und Stille, wie in Kirchenhallen,
senkt sich auf Waldung, Tal und Flur;
des Abends dunkle Schleier fallen,
im trauten Zwielicht hörst du schallen
den lauten Ruf des Uhus nur.
Dann steigt der Mond mit goldnem Scheine
am blauen Himmelsdom empor
und streut sein Gold rings auf die Haine,
auf Feld und Flur, auf grüne Raine,
und auf das düstre, stille Moor.
Die Ruhe die das All umschlungen,
zieht auch in deine Seele ein;
der innere Zwiespalt ist verklungen,
du hast den Frieden dir errungen,
des Herzens Saiten tönen rein.

Heinrich Zeise (1822 - 1914), deutscher Dichter

Gib der Natur das, was sie dir gibt –
und du hast ein Leben lang zu tun.

© Klaus Ender (1939 - 2021), deutsch-österreichischer Fachbuchautor, Poet, bildender Künstler der Fotografie

Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel!
Sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint!

Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker

Quelle: Schiller, F., Gedichte. Aus: Der Spaziergang, Erstdruck 1795 unter dem Titel "Elegie"

Die Natur unterwirft die Schwachen den Starken.

Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.), genannt Seneca der Jüngere; römischer Philosoph, Stoiker, Schriftsteller, Naturforscher und Politiker; Selbsttötung auf Geheiß seines ehem. Schülers Nero (Römischer Kaiser von 54 - 68)

Zugeschrieben

Der Weise auf dem Lande

O Wald,! o Schatten grüner Gänge!
Geliebte Flur voll Frühlings-Pracht!
Mich hat vom städtischen Gedränge
Mein günstig Glück zu euch gebracht:
Wo ich, nach unruhvollen Stunden,
Die Ruhe, die dem Weisen lacht,
Im Schoose der natur gefunden.
Ich fühle mich wie neugebohren,
Und fang erst nun zu leben an,
Seit, fern vom Trotze reicher Thoren,
Ich hier in Freyheit athmen kann.
Es krieche, wer nach Ehre flieget!
Ich werde nie ein grosser Mann,
Weil ich mich knechtisch nicht geschmieget.
Es mögen andre höher trachten:
Sie mögen, hungrig nach Gewinn,
Im Joche der Geschäfte schmachten,
Da ich der Knechtschaft müde bin!
Sie drängen sich durch List und Gaben
An ihre Ruderbänke hin;
Dieweil sie Sclavenseelen haben.
Du glänzend Nichts! o Rauch der Ehre!
Dich kauf ich nicht mit wahrem Weh.
Mein Geist sey, nach der Weisheit Lehre,
So stille, wie die Sommersee:
So ruhig im Genuß der Freuden,
Als dort, im perlenreichen Klee,
Die unschuldvollen Lämmer weiden!
O seht, wie über grüne Hügel
Der Tag bekränzt mit Rosen, naht!
Ihn kühlen Zephyrs linde Flügel:
Vom Thau glänzt sein beblühmter Pfad.
Wie taumelt Flora durch die Triften!
Die Lerche steigt aus trunkner Saat,
Und singt in unbewölkten Lüften.
Dort, wo im Schatten schlanker Buchen
Die Quelle zwischen Bluhmen schwätzt;
Seh ich die Muse mich besuchen,
Und werde durch ihr Lied ergötzt.
Sie singt entzückt in güldne Saiten,
Indeß, von Morgenthau benetzt,
Die Haare flatternd sich verbreiten.
Noch süsser tönt um frische Rosen
Ihr angenehmes Hirtenrohr;
Und Amor komnt, ihr liebzukosen,
Und ieder Ton entzückt sein Ohr.
Auch er versucht, wies ihm gelinget:
Ein schwaches Murmeln quillt hervor,
Das ungeübte Hand erzwinget.
Geht hin, die ihr nach Golde schnaubet!
Sucht Freude, die mein Herz verschmäht,
Betrügt, verrathet, schindet, raubet,
Und erndet, was die Witwe sät!
Damit, wann ihr in Gold und Seide
Euch unter klugen Armen bläht,dumme Pöbel euch beneide.
Dem Reichthum, bleicher sorgen Kinde,
Schleicht stets die bleiche Sorge nach:
Sie braust, wie ungestüme Winde,
Durch euer innerstes Gemach.
Der sanfte Schlummer flieht Paläste,
Und schwebet um den kühlen Bach,
Und liebt das Lispeln junger Weste.
Mir gnüget ein zufriednes Herze
Und was ich hab und haben muß,
Und, kann es seyn, bey freyem Scherze,
Ein kluger Freund und reiner Kuß:
Dieß kleine Feld und jene Schafe,
Wo, ohne stolzen Ueberfluß,
Ich singe, scherze, küsse, schlafe.

Johann Peter Uz (1720 - 1796), deutscher Justizratssekretär, Dichter, Anakreontiker, dessen gesellig-graziöse Lyrik einen heiteren Lebensgenuss preist; bekannt auch durch sein komisches Epos »Der Sieg des Liebesgottes«

Gottes Schatten sind in der Natur überall zu finden.

Carl von Linné (1707 - 1778), früher Carl Linnaeus, schwedischer Naturwissenschaftler, Mediziner und Botaniker, seine »Systema naturae« ist die Grundlage der modernen biologischen Systematik