36 Zitate und 4 Gedichte über Philister, Pharisäer.

Seite: 4

Was dem Philister den Mund öffnet,
das schließt ihm der Dichter.

Johann Jakob Mohr (1824 - 1886), deutscher Epigrammatiker, Dramatiker, Aphoristiker, Erzähler und Pädagoge

Quelle: Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 1879

Man sollte nicht den Philistern auf den Leim gehen müssen,
um zu einem festen Standpunkt zu kommen.

© André Brie (*1950), Dr. rer. pol., deutscher Diplom-Politikwissenschaftler, von 1999 bis 2009 Europaabgeordneter der Linkspartei, Präsident der Chile-Delegation des Europäischen Parlaments, von 2011 bis 2016 Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Aphoristiker

Quelle: Brie, Die Wahrheit lügt in der Mitte, Eulenspiegel Verlag 1982

Das Philisterparadies

Hei! im, Philisterparadies
Gibts grade Wege mit gelbem Kies,
Unkraut wird nicht darin gelitten,
Die Hecken sind alle fein beschnitten,
Die Bäume gleichen an Wuchs Grenadieren,
Damit man möge darunter spazieren
Im Gefühle persönlicher Sicherheit
Zu jeder anständigen Tageszeit.

Am Eingang grüßt, statt Versgeschwafel,
Eine bildsaubere Warnungstafel,
Worauf Verordnungen und Strafen
Zu lesen in deutlichen Paragraphen:
Du sollst deinen Mops an der Leine führen,
Du sollst nicht etwa Lust verspüren,
Dich irgendwo ins Gras zu legen
Oder im Tanzschritt dich zu bewegen.

Du sollst auch nur mit gestärktem Kragen
Dich unter honette Leute wagen –
Macht nichts, wen der den Hals dir ritzt,
Wenn nur der Schlips hübsch grade sitzt.
Verboten ist überhaupt und allen,
Im Paradiese aufzufallen.
Zivil- und Weibspersonen zumal
Richten sich nach dem Modejournal,
Doch zeigt sich echte Gesinnung nur
In Uniform und in Montur.

Kinder, ferner sind nur erlaubt,
Soweit das legitime Familienhaupt
Sich allseitig verbürgt für seine Sprossen
(Natürliche Kinder sind ausgeschlossen.)
Weiters obliegt es dem Herrn Gendarm,
Von Liebespaaren, die Arm in Arm
Betroffen werden auf einsamen Wegen,
Die Papiere (schriftlichen Elternsegen),
Sowie die Trauringe zu erfordern,
Mangelndenfalls sie hinaus zu beordern,
Die vorschriftsmäßige Sittlichkeit
Erheischt nach Einbruch der Dunkelheit
Reinliche Trennung der Geschlechter
Durch den zuständigen Herrn Nachtwächter.

Verschlossen ist streng das Paradies
Für Malcontente und für Genies;
Doch steht es offen für jedermann,
Der seinen Stumpfsinn beweisen kann.

Ernst von Wolzogen (1855 - 1934), deutscher Schriftsteller, Verlagslektor und Gründer eines der ersten literarischen Kabarette in Deutschland

Keine engherzigeren Philister, ach,
als ›Männer vom Fach‹!

Heinrich Vierordt (1855 - 1935), Karlsruher Schriftsteller und Heimatdichter

Quelle: Vierordt, Deutsche Hobelspäne. Stoßseufzer und Stammbuchblätter, 1909

Ach Gott das Philistertum ist eine harte Nuß, nicht leicht aufzubeißen, und mancher Kern vertrocknet unter dieser harten Schale.

Bettina von Arnim (1785 - 1859), deutsche Schriftstellerin, geborene Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch Bettine, Schwester des Philosophen Clemens Brentano

Quelle: Arnim, Bettina v., Briefwechsel mit Goethes Mutter. Mai/Juni 1808