280 Zitate und 18 Gedichte über Reue.

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Viele mühen sich mit der Reue mehr ab als mit der Genugtuung.

Unbekannt

Quelle: Schlichting, Weiser Humor – Lachende Philosophie. 1000 der besten boshaften Sinnsprüche, gesammelt von Wilhelm Schlichting, Verlag Wilhelm Schlichting, Stuttgart-Gablenberg 1931

Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes als zur rechten Zeit eingetretene Reue.

Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916), Marie Freifrau Ebner von Eschenbach, österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin

Quelle: Ebner-Eschenbach, Aphorismen, 1911

Einst hebt die Reue ihre Stimm' und spricht:
Warum ach! hörten wir die Wahrheit nicht!

Saadi (um 1210 - 1292), auch Sadi, Moscharref od-Din ibn oder Mosleh od-Din, persischer Dichter, wandte sich nach Studien in Bagdad der Mystik zu, verfasste zwei didaktisch-ethische Meisterwerke, die die sozialen Verhältnisse der Zeit vor dem Hintergrund der Vergangenheit behandeln; bedeutende Liebesdichtung

Quelle: Saadi, Der Fruchtgarten, dt. auch: Lustgarten oder Duftgarten (Bustan, gelegentlich auch als Bostan oder Bastan übertragen), 1257. Übersetzt von Karl Heinrich Graf, 1850

Eine abscheuliche Tat quält uns nicht, wenn wir sie soeben getan, sondern erst viel später, wenn man an sie zurückdenkt, denn die Erinnerung daran verlischt nicht.

Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution

Quelle: Rousseau, Bekenntnisse (Confessions), verfasst 1765-70, posthum veröffentlicht 1782-89

Laßt uns mit Frauen scherzen beim Weingelage... Buße tun und Wasser trinken aber am anderen Tage.

George Gordon Byron (1788 - 1824), George Gordon Noel Byron, 6. Baron Byron, bekannt als Lord Byron, englischer Dichter der Romantik

Der Flößer

Ein Flößerjunge trieb zur Stadt flußabwärts mit dem Floß,
Das Floß zog durch den finstern Wald mit Tannen schlank und groß

In einer stillen Seitenbucht sah er der Fräulein viel
Vor einem Inselgartenkiosk jagen im Pfänderspiel.

Vorübergleiten wollte da der kluge Ferge sacht.
Da hatte sich die kecke Schar zum Angriff aufgemacht.

Sie stürmten schreiend an den Strand und enterten das Boot
Und führten ihn gefangen fort. Das litt er ohne Not.

Man band mit einem roten Tuch ihm fest die Augen zu.
"Nun fange dir ein Schätzelein, du frecher Bube du!"

Husch! tappt er blindlings hin und her, reckte den schnellen Arm.
Fischte mit krummen Fingern flink unter dem Mädchenschwarm.

Jetzt faßt er etwas Zappliges am Schopf und Lockenbund,
Das hielt er mit den Armen fest und küßt es auf den Mund.

Sie aber riß ihm zornentbrannt die Binde vom Gesicht:
"Hättest du erraten, wen du fingst, so küßtest du mich nicht."

Der Flößer sah sie blinzelnd an und lächelte ein klein.
"Du bist", versetzt er, "Wildubrand, des Kaisers Töchterlein."

"Ich bin’s", bejahte Wildubrand, "und weil, was du getan,
Du ohne Arglist hast verübt, biet ich dir Gnade an.

Doch wenn dein schnöder Bauernmund, von Eitelkeit gebläht,
Auch nur mit einem einzigen Wort und Zeichen je verrät,

Wes du dich unterfangen, dann - dann Büblein, gnad dir Gott!
Man heilt der Fürstenkinder Ruf mit Henker und Schafott."

Er schwur zu Schweigen immerdar, er schwur es ohne Trug!
Das Glück im stillen Herzensgrund, es schien ihm Glück genug.

Drauf setzt er weiter mit dem Floß die unterbrochne Fahrt,
Platt auf den Rücken hingestreckt, wie das so seine Art.

Und als nun durch den kühlen Bühl die warme Sonne schien,
Da kam allmählich unvermerkt der Schlummer über ihn.

Das Floß ging seinen stillen Gang, gleitend von Baum zu Baum,
Den Flößerjungen schaukelte ein wonniglicher Traum.

Jetzt flüstert er und lallt im Schlaf: "Ihr lieben Leute, wißt:
Ich hab des Kaisers Töchterlein, die Wildubrand, geküßt."

Ein Wiedehopf im Weidenbusch vernahm das frevle Wort,
Das bracht er mit gesträubtem Schopf entsetzt zur Elster fort.

Die Elster trugs zum Papagei, der Papagei zum Star.
Nach einer Stunde wußt es schon die ganze Spatzenschar.

Und als am Abend vor der Stadt er landete beim Zoll,
Da war der ganze Hafenplatz von wildem Aufruhr voll.

Die Menge schrie ihm ins Gesicht, und heimlich seinen Arm
Erfasste mit behendem Griff ein grimmiger Gendarm.

Der führt ihn stracks zum Henker hin, der Henker aufs Schafott.
Da nahte mit dem Kruzifix ein Mönch, gesandt von Gott:

"Bekenne, beichte mir ins Ohr die Sünden alle dein."
"Ich hab geküßt die Wildubrand, des Kaisers Töchterlein."

Der Henker schor die Locken ihm und zog ihm aus den Rock,
Dann legt er ihm das junge Haupt behutsam auf den Block:

"Sprich einen frommen Abschiedsspruch zum Volke klar und laut,
Damit an deiner Reue sich der Gläubige erbaut."

Der Flößer hob den feuchten Blick zum fernen Tannenwald,
Dann schickt er über Stadt und Land die Stimme mit Gewalt:

"O lieber Henker, ziele gut mit deinem scharfen Beil,
Ich spüre keine Reue nicht und hab auch keine feil.

Mein Seel gehört dem lieben Gott, dem Kaiser ist mein Blut,
Doch, daß ich Wildubrand geküßt, des bin ich frohgemut.

Ich jauchz es durch die weite Welt und wills im Himmel schrein:
Ich hab geküßt die Wildubrand, des Kaisers Töchterlein."

Carl Spitteler (1845 - 1924), Pseudonym: Carl Felix Tandem, Schweizer Dichter und Romanautor, Nobelpreisträger für Literatur 1919 (verliehen 1920)

am Ende hätten wir so gern gelebt

© Anke Maggauer-Kirsche (*1948), deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin und ehemalige Betagtenbetreuerin in der Schweiz

Die Reue, die Feuerspritze und die guten Einfälle kommen meist zu spät.

Unbekannt

Quelle: Schlichting, Weiser Humor – Lachende Philosophie. 1000 der besten boshaften Sinnsprüche, gesammelt von Wilhelm Schlichting, Verlag Wilhelm Schlichting, Stuttgart-Gablenberg 1931

Reue, Tochter der Scham, Ärger übers Erwischtwerden.

© Manfred Hinrich (1926 - 2015), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller