37 Zitate und 8 Gedichte über Romantik.

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Verbrecher werden mit Handschellen gefesselt, Romantiker fesseln schon Lichterketten.

© Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker

Quelle: Bellermann, Gedankenreich, Engelsdorfer Verlag 2004

Das Wesen der Romantik ist die Ungewissheit.

Oscar Wilde (1854 - 1900), eigentlich Oscar Fingal O'Flahertie Wills, irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor

An Herrn von Kleist

Wie lieblich sprudelt diese Quelle!
Wie sanft küßt mich der West im Gaukeln!
Wie reitzend schwebt das Laub im Schatten!
Wie fruchtbar blüht die Lind am Ufer!
Wie munter steht das Thal voll Blumen!
Hier, Freund! Hier ist das Land des Friedens,
Hier ist es gut, hier laß uns wohnen,
Hier laß uns, fern von Stolz und Sceptern,
Die kurze Lebenszeit verlängern;
Hier soll sie, frei von niedern Sorgen,
So sanft, wie dieser Bach verfliessen.
Hier darf kein Gold vor Narren glänzen,
Hier hört man keinen Muffel seufzen,
Hier läuft kein Kramer mit Gewichten,
Hier rast kein Menzel mit Husaren,
Hier wafnet sich kein Held zum Morden,
Hier soll uns kein erzürnter Priester
Und keines Prinzen Dumheit ärgern.
Hier sind wir einsam, fromm und stille,
Hier schwärmen keine schwarze Sorgen,
Hier hört man kein Geschrei der Laster,
Hier brennt kein Schwefel in der Hölle,
Hier brüllt kein Teufel, wie ein Löwe.
Hier wollen wir uns Hütten bauen,
Damit die Tugend sicher wohne;
Hier sei mein Herz ihr froher Tempel,
Hier wiß es nichts von Furcht und Sorgen,
Hier wollen wir der Freundschaft opfern,
Hier wollen wir den Himmel loben,
Ihn loben, aber ihn nichts bitten.
Hier wollen wir uns kennen lernen,
Hier wollen wir am Ufer trinken
Und trinkend scherzen und uns küssen.
Was fehlt der Fülle solcher Wonne?
Ach Freund, es fehlt uns noch die Liebe ...
Geh! hole du dein blondes Mädchen,
Ich will die braune Doris holen.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 - 1803), genannt »Vater Gleim«, deutscher Anakreonitiker, Epigramm- und Fabeldichter

Quelle: Gleim, J. W. L., Gedichte. Versuch in Scherzhaften Liedern, erster Teil, 1744. Originaltext

Was ist im Himmel und auf Erden und im Reich des Oceanus, das einen von Amorn verwundeten Dichter von der süßen Quelle seiner Schmerzen entfernen könnte?

Christoph Martin Wieland (1733 - 1813), deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Aufklärung

Quelle: Wieland, Aristipp und einige seiner Zeitgenossen, 1800-01. Originaltext

Der Mondschein im Schlafzimmer ist das Rotlicht der Romantiker.

© Manfred Poisel (*1944), deutscher Werbetexter, »Sprach-Juan« und »Verbanova«

Quelle: Poisel, Küßchen vom Mann im Mond. Der Mensch & die Liebe, Frieling Verlag Berlin 2001

Der Gefangene

In goldner Morgenstunde,
Weil alles freudig stand,
Da ritt im heitern Grunde
Ein Ritter über Land.

Rings sangen auf das beste
Die Vöglein mannigfalt,
Es schüttelte die Äste
Vor Lust der grüne Wald.

Den Nacken, stolz gebogen,
Klopft er dem Rösselein –
So ist er hingezogen
Tief in den Wald hinein.

Sein Roß hat er getrieben,
Ihn trieb der frische Mut:
»Ist alles fern geblieben,
So ist mir wohl und gut!«

Mit Freuden mußt er sehen
Im Wald ein' grüne Au,
Wo Brünnlein kühle gehen,
Von Blumen rot und blau.

Vom Roß ist er gesprungen,
Legt' sich zum kühlen Bach,
Die Wellen lieblich klungen,
Das ganze Herz zog nach.

So grüne war der Rasen,
Es rauschte Bach und Baum,
Sein Roß tät stille grasen,
Und alles wie ein Traum.

Die Wolken sah er gehen,
Die schifften immerzu,
Er konnt nicht widerstehen –
Die Augen sanken ihm zu.

Nun hört' er Stimmen rinnen,
Als wie der Liebsten Gruß,
Er konnt sich nicht besinnen –
Bis ihn erweckt' ein Kuß.

Wie prächtig glänzt' die Aue!
Wie Gold der Quell nun floß,
Und einer süßen Fraue
Lag er im weichen Schoß.

»Herr Ritter! wollt Ihr wohnen
Bei mir im grünen Haus:
Aus allen Blumenkronen
Wind ich Euch einen Strauß!

Der Wald ringsum wird wachen,
Wie wir beisammen sein,
Der Kuckuck schelmisch lachen,
Und alles fröhlich sein.«

Es bog ihr Angesichte
Auf ihn, den süßen Leib,
Schaut' mit den Augen lichte
Das wunderschöne Weib.

Sie nahm sein'n Helm herunter,
Löst' Krause ihm und Bund,
Spielt' mit den Locken munter,
Küßt' ihm den roten Mund.

Und spielt' viel süße Spiele
Wohl in geheimer Lust,
Es flog so kühl und schwüle
Ihm um die offne Brust.

Um ihn nun tät sie schlagen
Die Arme weich und bloß,
Er konnte nichts mehr sagen,
Sie ließ ihn nicht mehr los.

Und diese Au zur Stunde
Ward ein kristallnes Schloß,
Der Bach ein Strom, gewunden
Ringsum, gewaltig floß.

Auf diesem Strome gingen
Viel Schiffe wohl vorbei,
Es konnt ihn keines bringen
Aus böser Zauberei.

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857), Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, deutscher Dichter, Novellist und Dramatiker

Quelle: Eichendorff, J., Gedichte. Ausgabe 1841. Hier: Entstanden um 1812, Erstdruck 1815