289 Zitate und 366 Gedichte über Sehnsucht.

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Sehnsucht, sich nie von dem lieben Wesen zu scheiden, das einst unserm Herzen so theuer war, hat die Urnen erfunden.

Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich, ab 1802 von Schiller, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker

Quelle: Schiller, Friedrich, Briefe. An Gottfried und Minna Körner, 7. August 1785

Liebe mich, doch umarme mich nie!

Bruno Wille (1860 - 1928), dt. Theologe, Philosoph und Schriftsteller

Quelle: Wille, Die Abendburg. Chronika eines Goldsuchers in zwölf Abenteuern, 1909. Das letzte Abenteuer

Ach ja, die Erfüllung ist ein Abschied von der Sehnsucht.

Bruno Wille (1860 - 1928), dt. Theologe, Philosoph und Schriftsteller

Quelle: Wille, Die Abendburg. Chronika eines Goldsuchers in zwölf Abenteuern, 1909. Das letzte Abenteuer

Die Sehnsucht konnte ja ihr eigener Gegenstand sein.

Jean Paul (1763 - 1825), eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge

Quelle: Jean Paul, Dr. Katzenbergers Badereise, 1809. Über den Tod nach dem Tode; oder der Geburttag

Sehnsucht

"... Psyche, my soul." ... Edgar Poe

Du hast dereinst in heissen Stunden
Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden,
Oft glühend begehrendes, drängendes Brennen,
Den ewigen Urquell des Seins zu erkennen
Und lichtgesättigt ... erkennend vergeh'n ...

Du hast oft dämm'rig verträumtes Weh'n
Und leises, lindlallendes Sehnen gefühlt
Nach mildem Balsam, der Wunden kühlt,
Nach schlummernder, stillender Friedensnacht ...

Dann wolltest du duftende, klingende Pracht
Und ewiger Schönheit berauschende Flut
Und ewiger Liebe beglückende Glut ...
Und immer hast du dich gesehnt und gequält
Nach dem Einzigen, Einen, das immer dir fehlt',
Und hast dereinst in heissen Stunden
Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden ...

Das ist vorbei ... du bist so stille!
Verstummt all dein irrender, rastloser Wille,
Verstummt ist das alte, süss-traurige Lied,
Das dich so oft gequält, gemüht,
Und endlich magst du glücklich sein!

Doch meine Seele seufzet: – Nein,
Mir ist so eisig, eisig' kalt!
Ich wollt', sie käme wieder bald!
Das schmächtige, duftige, todkranke Weib,
Mit ewig verlangendem, bebendem Leib
Und ewig verlangenden, schmerzlichen Blicken ...
Denn Schmerz und Verlangen ist höchstes Entzücken ...
Und süsser Genuss sind todtraurige Lieder ...
Ich sehne, ich sehne nach Sehnsucht mich wieder!

Lisa Baumfeld (1877 - 1897), österreichische Dichterin

Quelle: Baumfeld, Gedichte. Mit einem Vorwort von Ferdinand Gross, Verlag der Gesellschaft für graphische Industrie, Wien 1900