554 Zitate und 32 Gedichte über Selbsterkenntnis.

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Wieviel weißt du, o Mensch, der Schöpfung König,
Der du was sehbar siehst, was meßbar mißt.
Wieviel weißt du! und wieder, ach, wie wenig,
Weil, was erscheint, doch nur ein Äußres ist.

Franz Grillparzer (1791 - 1872), Wiener Hofkonzipist und Burgtheaterdichter

Quelle: Grillparzer, F., Gedichte. Aus: Wieviel weisst du, o Mensch, der Schöpfung König, entstanden 1843

Die unablässige Beobachtung seiner selbst aber wird zur Qual.

Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.), genannt Seneca der Jüngere; römischer Philosoph, Stoiker, Schriftsteller, Naturforscher und Politiker; Selbsttötung auf Geheiß seines ehem. Schülers Nero (Römischer Kaiser von 54 - 68)

Quelle: Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 17. Kapitel. Übers. Aporismen.de
Originaltext: Torquet enim assidua observatio sui

Auch was uns fehlt, gehört zu uns.

© Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker

Quelle: Ferstl, Andenken. Aphorismen, Books on Demand 2018

Man muss also in die Natur der Dinge eindringen und erforschen, was sie fordert; auf andere Weise können wir uns selbst nicht erkennen.

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.), römischer Redner und Staatsmann

Quelle: Cicero, Vom höchsten Gut und vom größten Übel (De finibus bonorum et malorum), 45 v. Chr. Übers. Aphorismen.de
Originaltext: Intrandum est igitur in rerum naturam et penitus quid ea postulet pervidendum; aliter enim nosmet ipsos nosse non possumus

Selbsterkenntnis:

Eine Null, untadlich rund,
Schreib' ich unter mein Gedicht;
Sie vermehrt die Zahlen und –
Selber zählt als Zahl sie nicht.

Karl Foy (1856 - 1907), Professor der Orientalistik an der Universität Berlin

Quelle: Lieder vom Goldenen Horn von Karl Foy, Verlag von A.G. Liebekind, Leipzig 1888