490 Zitate und 12 Gedichte über Tugend, Untugend.

Seite: 49

Wenn Tugend und Gerechtigkeit
Den großen Pfad mit Ruhm bestreut;
Dann ist die Erd' ein Himmelreich,
Und Sterbliche den Göttern gleich.

Emanuel Schikaneder (1751 - 1812), auch Emanuel Schickaneder, eigentlich Johann Joseph Schickeneder, deutscher Schauspieler, Sänger, Regisseur und Dichter; schrieb das Libretto zu Mozarts 'Zauberflöte'

Quelle: Schickaneder, Die Zauberflöte (Libretto), 1791. 1. Akt, 19. Auftritt, Schlusschor

Kein Laster ist so widerwärtig wie die Tugend, die sich vor der Öffentlichkeit entblößt.

Ludwig Thoma (1867 - 1921), deutscher Erzähler, Dramatiker und Lyriker

Quelle: Thoma, L., Moral. Komödie in drei Akten, Erstdruck Langen, München 1909

Je seltener sie [die Tugend] unter den Menschen ist, desto höher muß sie geschätzt werden. Man lobt sie, doch man thut nichts für sie.

Denis Diderot (1713 - 1784), französischer Philosoph der Aufklärung, Schriftsteller, Enzyklopädist, Literatur- und Kunsttheoretiker

Quelle: Diderot, Die Nonne (La Réligieuse), 1796, übersetzt von Wilhelm Lilienthal alias Wilhelm Thal, Originaltext der Übersetzung

Man spricht nicht mit jenen die Sprache der Tugend,
die ihr Alphabet nicht verstehen.

Romain Rolland (1866 - 1944), franz. Schriftsteller und Pazifist, Nobelpreis für Literatur 1915 (verliehen 1916)

Quelle: Rolland, Der Triumph der Vernunft (Le triomphe de la raison). Drama in drei Akten, 1899. Deutsch v. S. D. Steinberg und Erwin Rieger, Rotapfel-Verlag, Zürich 1925. Hugot

Die strengste Tugend hat ihre schwache Seite.

Luise Gottsched (1713 - 1762), Luise Adelgunde Victorie, geb. Kulmus, deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin, Frau von Johann Christoph Gottsched

Quelle: Gottsched, L. A. V., Die Pietisterey im Fischbein-Rocke, 1736 (anonym)

[D]urch die glanzvolle Ausübung der Tugend wird unwillkürlich auch die menschliche Neigung zu Überhebung und Eitelkeit gefördert, wogegen die unscheinbare alltägliche Ausübung schlechthin aus ungewürzter und reiner Tugend besteht.

Robert Musil (1880 - 1942), seit 1918 auch Robert Edler von Musil, österreichischer Novellist, Dramatiker und Aphoristiker

Quelle: Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 1921-1942; gilt als einer der wichtigsten Romane des 20. Jhs. Der erste Band von drei geplanten erschien 1930, der erste Teil des zweiten 1932. Musil arbeitete bis zu seinem Lebensende an dem Roman. Aus dem Nachlaß

Tugend ohne Wachsamkeit
Verliert sich bald in Sicherheit.

Christian Fürchtegott Gellert (1715 - 1769), deutscher Erzähler, Fabel- und Liederdichter

Quelle: Gellert, C. F., Gedichte. Aus: Die Wachsamkeit, 1757

Die Tugend, die keinen öffentlichen Streit auszuhalten vermag, hat keinen Werth.

Marianne Ehrmann (1755 - 1795), geb. Marianne Brentano, deutsch-schweizerische Schauspielerin, Schriftstellerin, Journalistin und Verlegerin

Quelle: Ehrmann, Amalie. Eine wahre Geschichte in Briefen. Erstdruck: o. O., o. J. [Hortin, Bern 1788]. 55. Brief. An Fanny. Originale Rechtschreibung