83 Zitate und 3 Gedichte über Tyrannei.

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Usus est Tyrannus!

Ja, eben weil Du ein Tyrann,
Du alter Adel: Brauch,
Drum achtet dich kein freier Mann,
Drum hassen wir dich auch!
Drum ist aus deiner Despotie
Kraft und Schönheit verbannt;
Drum hat noch nimmer ein Genie
Bestrahlt dein traurig Land!

Drum ist das Höchste uns der Geist,
Die Freiheit und die Kunst,
Drum Alles, was dein Hof anpreist,
Nur eitel Trug und Dunst!
Geborner Größe lachen wir
Drum höhnisch in's Gesicht;
Drum beugt der Edle sich vor dir
Und deinen Vettern nicht!

Ja, eben weil Du ein Tyrann,
Du alter Adel: Brauch,
Drum achtet dich kein freier Mann,
Drum hassen wir dich auch!
Drum sind uns Sterne, Orden, Gold
Beweise nie des Werth's;
Doch ist das arme Volk uns hold,
Schlägt stolzer unser Herz!

Drum schaun am Strick' nicht, im Ornat
Die größten Schurken wir;
Drum schimpfen wir, wie's Luther that,
Was sich beschimpft in dir!
Drum lachen wir, wenn über uns
Dein Orden Wehe! schreit:
Wir fragen nicht nach Hinz und Kunz,
Wenn uns ein Gott gebeut!

Ja, eben weil du ein Tyrann,
Du alter Adel: Brauch,
Drum achtet Dich kein freier Mann,
Drum hassen wir dich auch!
Gelobt sei Gott, schon wankt dein Thron!
Dich schützt kein Adel mehr!
Mit Dolchen gehn die Geister schon
An deinem Schloß' umher.

Adolf Glaßbrenner (1810 - 1876), deutscher Journalist und volkstümlicher Schriftsteller, bedeutendster Vertreter der Berliner Volksliteratur

Quelle: Glaßbrenner, Verbotene Lieder. Von einem norddeutschen Poeten, 1844. Originaltext

Jeder ist sein eigener Tyrann.

© Hans Ulrich Bänziger (*1938), Schweizer Psychologe und Schriftsteller

Quelle: Bänziger, Gedanken lesen, 2012

Keine Tyrannei ist furchtbarer, als diejenige eines conventionellen Unsinnes.

Unbekannt

Quelle: Morgenblatt für gebildete Stände (Titel ab 1837: Morgenblatt für gebildete Leser), 1807-1865. 29. Juni 1825. Originaltext

So lege festen Grund denn, Tyrannei,
Rechtmäßigkeit wagt nicht, dich anzugreifen!

William Shakespeare (1564 - 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Quelle: Shakespeare, Macbeth, um 1608, Erstdruck 1623, erste deutsche Übers. von Christoph Martin Wieland 1765. Hier übers. von Dorothea Tieck, Georg Andreas Reimer, Berlin 1832. Originaltext der Übersetzung. 4. Aufzug, 2. Szene, Macduff

Ein Tyrann aber ist jeder, der Herrschaft allein in seinem eignenen Interesse ausübt, unter welchem Titel man ihn auch malt oder meißelt.

Erasmus von Rotterdam (1469 - 1536), holländischer Theologe, Philologe und Humanist, nannte sich Desiderius Erasmus, eigentlich Gerhard Gerhards

Quelle: Erasmus von Rotterdam, Adagia, 1510-1535. Übers. Aphorismen.de
Originaltext: Tyrannus est autem, quisquis sibi gerit imperium, quocumque nomine pingatur aut sculpatur.