3 Zitate und 2 Gedichte über Werk, Schöpfung.

»Werke« sind totes Gestein

»Werke« sind totes Gestein, dem tönenden Meißel entsprungen,
Wenn am lebendigen Ich meißelnd der Meister erschuf.
»Werke« verkünden den Geist, wie Puppen den Falter verkünden:
»Sehet, er ließ mich zurück, leblos, und flatterte fort.«
»Werke«, sie gleichen dem Schilf, dem flüsternden Schilfe des Midas,
Streuen Geheimnisse aus, wenn sie schon längst nicht mehr wahr.

Hugo von Hofmannsthal (1874 - 1929), österr. Lyriker, Dramatiker, Erzähler; gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschsprachigen Fin de Siècle und der Wiener Moderne, Mitbegründer der Salzburger Festspiele; Librettist für Richard Strauss' Opern

Quelle: Hofmannsthal, H., Gedichte. Hier: Entstanden 1892, Erstdruck 1930

In der rauhesten Wildnis, in den wüstesten Strecken unberührter Natur ist noch die Kunst eines Schöpfers wahrnembar, aber nur dem denkenden Verstande wahrnehmbar, niemals tritt sie mit der überzeugenden Kraft einer Empfindung auf.

Edgar Allan Poe (1809 - 1849), US-amerikanischer Journalist, Dichter und Literaturkritiker

Quelle: Poe, Gesammelte Werke, hg. von Franz Blei, München 1922. Bd. I: Die Domäne von Arnheim. Übers. J. von der Goltz

Wie es beim Lesen eines Buchs das Höchste ist, zu vergessen, dass man nicht sein Verfasser war, so ist es hinwieder im Dichter der höchste Augenblick der Selbstbetrachtung seiner Werke, wenn sie ihm, völlig Objekt geworden, magisch befremdend entgegentreten und er in diesem Gefühl die engere Persönlichkeit gegen eine allgemeinere vertauscht.

Otto von Loeben (1786 - 1825), Otto Heinrich Graf von Loeben, auch Isidorus Orientalis oder Kuckuck Waldbruder, deutscher Dichter der romantischen Bewegung, Freund und Wegbereiter von Joseph von Eichendorff, gehörte später dem Dichterkreis um Ludwig Tieck an

Quelle: Loeben, Lotosblätter. Fragmente von Isidorus, 2 Bde., 1817