69 Zitate und 3 Gedichte über Widerstand.

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Vom Biegen und Brechen

Wenn sie zu dir sprechen: "Biegen oder brechen!"
Ruf: "Brechen eh' als biegen!": – Gib acht, so wirst du siegen.

Felix Dahn (1834 - 1912), deutscher Professor für Rechtswissenschaften, Schriftsteller und Historiker ("Die Könige der Germanen")

Quelle: Dahn, F., Gedichte

Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.

Otto Wels (1873 - 1939), deutscher sozialdemokratischer Politiker, der als letzter Abgeordneter in freier Rede im Berliner Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten votierte

Quelle: Wels, Reichstagsrede am 23. März 1933

Trutz euch!

Ihr kriegt mich nicht nieder,
Ohnmächtige Tröpfe!
Ich komme wieder und wieder,
Und meine steigenden Lieder
Wachsen begrabend euch über die Köpfe.

Nikolaus Lenau (1802 - 1850), eigentlich Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau, österreichischer Dichter und melancholischer Lyriker

Quelle: Lenau, N., Gedichte. Sechstes Buch, Entstanden vermutlich 1838, Erstdruck 1851

Am schwersten ist der Widerstand jener zu brechen,
die schon gebrochen wurden.

© Heimito Nollé (*1970), Medienanalyst

Quelle: Nollé, Randgut. Aphorismen und Kurztexte, Brockmeyer Verlag, Bochum 2016. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Verlags. Antithetisches

Trutzlied

Ob ihr mit vollen Backen
Trompetet Lug und Neid,
In tückischen Attacken
Garstige Granaten speit,
Ihr Helden von der Feder,
Vom kritischen Katheder,
Mir sitzt der Schalk im Nacken
In Lust und Leid.

Ihr seid die alte Meute,
Die schwarze Meute ja,
Ich aber läute, läute
Mein hell Halleluja.
Von meinem Fensterbrette
Pfeif' ich die Frühlingsmette,
Geburtstag feir' ich heute,
Was wollt ihr da?

Mir wirft die Post der Gaben
So viele auf den Tisch:
Die "Herzli" sind erhaben,
Die Kuchen süß und frisch!
Die Freundschaft streut mir Grüße
Und Blumen vor die Füße,
Die Liebe will mich laben
Verschwenderisch.

Die Sonne steigt im Osten,
Die Amsel ladet hell:
"Vom Lichtquell laß uns kosten,
Frischauf, frischauf, Gesell!
Nach all den toten Tagen
Wir mögen's wohl vertragen,
Die weichen Veilchen sproßten
Am jungen Quell.

Und laß dich's nicht verdrießen
Und laß dich's nicht gereun,
Den Guten auszugießen
Gesänge, die dich freun!
Die Merker und die Mucker,
Das sind die ärmsten Schlucker,
Die lieben in Verließen
Das Licht zu scheun."

Die ihr mit plumpen Rüsseln
Mich schnuppernd untersucht,
Mit gelben Himmelsschlüsseln
Jag' ich euch in die Flucht.
Ihr seid die schwarze Meute,
Ich aber läute, läute
Und samml' auf Silberschüsseln
Goldsaftige Frucht.

Karl Henckell (1864 - 1929), Karl Friedrich Henckell, deutscher Lyriker und Schriftsteller, Sozialrevolutionär und Vorkämpfer des Naturalismus

Quelle: Henckell, Buch des Lebens, 1921