976 Zitate und 84 Gedichte mit dem Textinhalt 'geschichte'.

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Hoffen auf bessere Zeiten (Weihnachten 2002)

Ein Mensch ist Möbelspediteur,
Doch fällt ihm das zunehmend schwer.
Die Kosten treiben ach oh’ Graus
Die allerletzten Haare aus.

Ob Nebenlohn- und Autokosten,
Container die darob verrosten.
Ob Schwarzarbeiter beim Kollegen,
Der Mensch verzweifelt fast deswegen.

Dann noch die Maut und Ökosteuer,
Die ganze Arbeit wird so teuer,
Daß ihn der Umzugskunde fragt,
woher das alles kommen mag.

Der Mensch erklärt und protestiert,
Läßt Leute geh’n – subventioniert –
Die Arbeit von dem hart Ersparten
Und hofft – worauf wir alle warten,
Dass sich die Zeiten bessern mögen.

Doch was der Mensch denkt, ist verwegen.
Nichts besser, keine Zeitenwende,
Rot-Grün regiert uns an das Ende,
Bis keiner mehr von dem was hat,
Was er Jahrzehnte angespart.

Der Mensch denkt nach, ist gar nicht heiter,
So, bitte, geht es doch nicht weiter.
Dann schließt die Spedition er zu,
Lässt seinen Job für immer ruh’n.

Und die Moral von der Geschicht’:
Der Mittelstand verträgt es nicht,
Wenn ihm der Staat die Luft zum atmen
- Mit all den vielen Bürokraten –
Auch die noch nimmt und dann verbal
Behauptet weil die Welt global,
Sei diese Zeit so, wie sie ist.

Doch selbst der größte Optimist,
Glaubt nicht was Politik verspricht.
Der Mensch deshalb als Spediteur,
Vertraut der Politik nicht mehr.
Und ist Vertrauen erst verspielt,
Führt jeder gegen jeden Krieg.

© Wolfgang (WoKo) Kownatka (*1938), deutscher Luftwaffen-Offizier, NATO-Pressestabsoffizier, Bankkaufmann, freier Journalist und Aphoristiker

Rentnerperspektive

Ein Mensch, gesund und jung an Jahren,
will später was vom Leben haben.
So legt bescheiden er zurück,
vom kargen Lohn doch manches Stück.

Der Mensch ward älter und erkannte,
daß das, was auf der hohen Kante,
er Jahr für Jahr zurückgehalten,
nicht reicht, sein Alter zu gestalten.

Der Mensch entscheidet sich erneut,
mehr zu verdienen und das freut,
nicht ihn allein, auch Vater Staat,
denn der gab ihm den guten Rat,
noch längst nicht sich zur Ruh’ zu setzen,

Der Mensch ist alt und ausgeschieden,
aus dem Beruf, dem ihm so lieben.
Nun kommt der Staat, zu guter Letzt,
will von der Rente noch den Rest.
Von jenem Rest, der ihm geblieben,
aus fünfzig Jahren Arbeitsleben.

Der Mensch verbittert sich jetzt fragt,
was hab’ ich falsch gemacht und sagt,
dem Staat, dem lebenslang er diente,
daß er, der Mensch, das nicht verdiene.

Er habe über fünfzig Jahr’
hausgehalten und gespart.
Der Staat jedoch in Saus und Braus,
gelebt, gelogen und verbraucht.
Was er, der Rentner angeschafft,
hat der Sozialstaat weggerafft.

Drum die Moral von der Geschicht’.
Glaub dem Sozialstaat lieber nicht,
wenn der die Renten sicher heißt.
Sei sicher, daß er das nicht weiß.
Und wenn er nicht die Wahrheit spricht,
der Mensch er findet kein Gericht,
das ihm ein Urteil günstig fällt,
und er zurückerhält sein Geld.

Viel besser wär’s vielleicht gewesen,
der Mensch er hätt’ in seinem Leben,
wie auch der Staat in Saus und Braus,
gelebt – und steht er dann vorm Aus,
die Hand beim Amte für Soziales,
gehalten hätte hin, für Bares.

© Wolfgang (WoKo) Kownatka (*1938), deutscher Luftwaffen-Offizier, NATO-Pressestabsoffizier, Bankkaufmann, freier Journalist und Aphoristiker

Gefährliches Leben
Eine Fabel nach Leo Tolstoi

Ein Mann war einst in großer Not,
er ward von einem Bär bedroht,
der ihn verfolgt ein langes Stück.
Allein, der Mann hat plötzlich Glück -
bevor er lange nachgedacht,
steht er vor einem engen Schacht.

Er klettert ihn geschwind hinab,
doch könnt‘ er werden ihm zum Grab,
denn eh er unten angekommen,
hat er ein Zischen schon vernommen,
weil eine Schlange hebt den Kopf
und züngelt nach dem armen Tropf.

Ihr Gift bringt sicherlich den Tod,
und über ihm der Bär noch droht.
Auf einmal sieht er einen Ast
in halber Höhe, und gefasst
schwingt sich der Mann sogleich hinauf.
Doch nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Zwei Ratten knabbern an dem Ast,
bald trägt er nicht mehr seine Last,
dann wird er brechen, und der Mann
mag wehren sich, so viel er kann –
der Tod ist ihm sodann gewiss,
denn unten wird der Schlange Biss

den armen Mann sogleich ereilen.
Der Bär wird auch nicht länger weilen
und hat ihn gleichfalls nicht vergessen –
er freut sich schon aufs große Fressen.
Indes, bevor der Bär ihn fasst,
da sieht der Mann am langen Ast

zwei große Tropfen Honig schimmern.
Sofort hört er nun auf zu wimmern
und denkt: „Wenn ich schon sterben muss,
dann soll es sein ein süßer Schluss,
will an dem Honig mich jetzt laben,
vom Leben nochmals Freude haben.“

Und die Moral von der Geschicht‘ ?
Oh Mensch, vergiss das eine nicht:
Auch wenn du sträubst dich voller Bangen,
bist du doch stets vom Tod umfangen.
Du kannst dem Schicksal nicht entgehen,
auch wenn du noch so würdest flehen.

Jedoch, du solltest auch bedenken –
das Leben kann dir so viel schenken
an Schönheit und an süßer Lust,
dass du mitnichten jammern musst,
sollst hoffen, dass der Ast dich hält
noch lange auf der schönen Welt.

© Christa Kluge (*1941), Lehrerin in Ruhestand