Zitat zum Thema: Mann & Frau

Das männliche Wesen ist in der Grundanlage schroff, ja hart; es ist durch das Denken mehr zur Gerechtigkeit neigend, als zur Liebe; in rücksichtslosem Willensdrange drängt es oft vorwärts, ohne das Gefühl zu beachten. So hätte, falls nur das Männliche in der Menschheit Herrscher gewesen wäre, aller Geist nicht hingereicht, um echte Gesittung hervorzubringen. Es wäre ein geistig glänzendes Barbarentum entstanden.
Und hier griff nun das Weibliche ergänzend und bereichernd ein.
Aus der Mutterliebe und –Sorge entfalteten sich die weicheren Gefühle, jene Tugenden des Gemüts, ohne die wir niemals zum Besitze sittlich-religiöser Bildung gekommen wären. Alle Tugenden, die das Heim erzeugen kann, Hingabe, Milde, Duldung, Opferfähigkeit für den Einzelnen, Innigkeit u. s. w. sind aus dem weiblichen Wesen hervorgegangen, von ihm genährt und gehegt und dem werdenden Geschlechte angebildet oder vererbt worden.

Otto von Leixner

(1847 - 1907), eigentlich Otto von Grünberg, deutscher Novellist, Dichter und Literaturgeschichtler

Quelle: Leixner, Laien-Predigten für das deutsche Haus. Ungehaltene Reden eines Ungehaltenen, 1894